Fonseca: der druck frisst sich rein – und die fans machen ihm zu schaffen!
João Fonseca, der brasilianische Shootingstar des Tennis, steht unter enormem Druck. Seine Erfolge lösen nicht nur Begeisterung aus, sondern auch eine zunehmende Belastung – sowohl durch die Erwartungen als auch durch die oft überbordende Unterstützung seiner Fans. Im Exklusivgespräch mit Sport1 spricht der 19-Jährige über die Herausforderungen und die Inspiration, die ihm Alexander Zverev gab.
Die fußball-atmosphäre auf den tennisplätzen
Brasilien liebt Fußball – das ist hinlänglich bekannt. Diese Leidenschaft überträgt sich nun auch auf andere Sportarten, insbesondere auf das Tennis von João Fonseca. Seine Matches verwandeln sich in ausgelassene Feste, nicht nur in seiner Heimat, sondern weltweit. Doch diese Euphorie hat auch eine Schattenseite. Beim ATP-Masters in Rom kochte die Stimmung so hoch, dass Fonseca selbst genervt war. „Brasilianische Fans denken manchmal, es sei ein Fußballspiel“, klagt er. „Ich liebe die Zuschauer, aber es muss ein gewisses Maß geben. Es stört nicht nur den anderen Spieler, sondern auch mich.“
Die teils übergriffige Stimmung führt zu einer wachsenden Missgunst gegenüber Fonseca. Selbst neutrale Tennis-Fans bejubeln seine Niederlagen, und andere Profis wirken zunehmend genervt von dem Hype. Hamad Medjedovic beispielsweise feierte seinen Sieg mit der „Night Night“-Geste von Stephen Curry, eine klare Botschaft an die Zuschauer und an Fonseca. Ein Sieg gegen den Brasilianer scheint für manche Spieler ein besonders süßes Gefühl zu sein.

Der druck des jungen stars
Für Fonseca, der selbst schon einmal die Stimmung angeheizt hat, birgt der Hype eine zusätzliche Belastung. Siege werden überhöht, Niederlagen sind ein Desaster. Doch der junge Brasilianer nimmt die Herausforderung an. „Eine Zeit lang habe ich parallel Tennis und Fußball gespielt. Was mich am Tennis fasziniert hat, ist, dass es ein Einzelsport ist. Man muss allein mit dem Druck und den Problemen auf dem Platz umgehen.“
Sein schneller Aufstieg ist beeindruckend. Er schloss sein erstes komplettes Jahr auf der Tour als Nummer 25 der Welt ab – schneller als Alcaraz und Sinner in ihren ersten ATP-Jahren. Fonseca träumt davon, in die Fußstapfen von Novak Djokovic zu treten und zu den Top-Spielern der Welt zu gehören. Er weiß aber auch, dass das verflixte zweite Jahr für Aufsteiger oft besonders knifflig ist, da sich die Gegner auf das eigene Spiel eingestellt haben.

Die inspiration durch zverev und die lehren aus der vergangenheit
Neben seinem körperlichen Leiden, das durch ein angeborenes Flachrücken-Syndrom und einen Ermüdungsbruch im unteren Rücken bedingt ist, muss Fonseca auch an seinem Spiel arbeiten. Die Duelle mit Alcaraz und Sinner zeigten, dass er noch Defizite hat. „Sie haben noch ein viel größeres Arsenal, wie den Slice oder ihre Fähigkeiten am Netz“, erklärt er. Doch er hat auch aus seinen Niederlagen gelernt, insbesondere aus dem knappen Duell gegen Alexander Zverev in Monte Carlo. „Er ist jemand, der ebenfalls sehr schnell und sehr jung auf die Tour gekommen ist. Er hat mich als kleiner Junge definitiv inspiriert.“
Neben Zverev sind auch Gustavo Kuerten, Federer und Nadal seine großen Vorbilder. Letzteren verehrte er sogar so sehr, dass er lange dessen Zitat über Reife und harte Arbeit als Handy-Sperrbild nutzte. Fonseca weiß, dass er noch einen langen Weg vor sich hat, aber er ist bereit, hart zu arbeiten und an seiner Konstanz zu feilen. Bei den French Open will er für Furore sorgen – und hoffentlich können die Fans ihre Begeisterung in einem angemessenen Rahmen ausdrücken.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Fonseca den Druck und die Erwartungen meistern kann. Eines ist jedoch sicher: Der junge Brasilianer hat das Potenzial, die Tenniswelt zu erobern – vorausgesetzt, er findet einen Weg, mit dem immensen Hype um seine Person umzugehen.
