Flensburg bangt um pytlick und kirkelökke – aarhus droht das aus

18.45 Uhr, Skanderborg-Aarhus: Flensburg-Handewitt muss heute in den European-League-Play-offs ums Viertelfinale zittern – und das, weil zwei Leistungsträger auf der Reise nach Dänemark vielleicht nur mitfliegen, um die Badehose zu tragen. Simon Pytlick plagt sich mit einer Bauchmuskelzerrung, Niclas Kirkelökke kämpft gegen einen fiesen Virus. Beide standen schon beim 27:29 gegen GWD Minden nur in der Kabine. Jetzt droht ihnen das zweite Aus in fünf Tagen.

Grgic schießt vor: „wir haben uns selbst um ein viertelfinale erleichtert“

Marko Grgic, Sportchef der SG, spricht offen Tacheles: „Wir haben es selbst verschuldet, dass wir nun zweimal mehr spielen müssen.“ Er meint die Niederlage gegen Skjern, die Flensburg auf den vierten Play-off-Rang warf – und Aarhus den Vorteil des Heimspiels bescherte. Die Rechnung ist simpel: Wer heute verliert, ist raus. Wer gewinnt, muss trotzdem am Sonntag noch einmal anschwarzen. Ein 0:0 nach zwei Spielen würde sogar eine Verlängerung und Siebenmeterlotterie bedeuten – für Flensburg ein Horror, weil der Kader nur zwölf Gesunde zählt.

Die personelle Lage ist ein offener Wundenkanal. Kreisläufer Johannes Golla versucht, Optimismus zu mimen: „Es tut etwas weh, dass wir keine volle Kapelle haben, um 100 Prozent zu geben und viel rotieren zu können. Aber wir wollen nicht klagen.“ Die Worte klingen wie ein Euphemismus. Ohne Pytlicks Tempo und Kirkelökkes Kreisel von rechts fehlen 35 Prozent der Trefferquote – und genau diese Lücke wollen die Dänen stopfen.

Johan hansen: der sg-schergen kindigt den lehrern den krieg an

Johan hansen: der sg-schergen kindigt den lehrern den krieg an

Die Ironie der Geschichte heißt Johan Hansen. Der Rechtsaußen lief von 2017 bis 2022 für Flensburg, gewann Champions-League und DHB-Pokal. Jetzt trägt er das blaue Aarhus-Trikot und hat in dieser Saison schon 42 Treffer in der European League erzielt. „Ich kenne jeden Winkel der Flensburger Deckung“, sagte er der Jydske Vestkysten. Trainer Claus Hansen bestätigt: „Er weiß, wie man die Abwehr von innen auseinander nagelt.“ Für SG-Coach Maik Machulla ist Hansen kein Geheimtipp, sondern ein Spion in gegnerischen Reihen. „Wir müssen früh umschalten und seine Wurfarme blocken, bevor er sie überhaupt auskreuzt“, fordert Machulla.

Die Zahlen sprechen gegen Flensburg: Aarhus gewann die letzten fünf Heimspiele in Serie, schoss dabei 31,3 Tore im Schnitt. Flensburg kassierte in den vergangenen drei Auswärtsspielen 32,7. Die Abwehr wirkt wie ein Sieb, bei dem die Löcher größer werden, je mehr Spieler fehlen. Dazu kommt die mentale Belastung: Drei Spiele in sieben Tagen, dazwischen ein Bundesliga-Gipfel gegen Kiel. Machulla rotiert, weil er muss, nicht weil er will.

Die Lösung könnte ein Systemwechsel sein. In den letzten Trainingseinheiten probte Flensburg eine 5-1-Deckung mit Jim Gottfridsson als freiem Mann. Ziel: Hansen früh stören, die Kreismitte zustellen und Aarhus zu riskanten Würfen zwingen. Die Taktik ist riskant, weil sie die Außen öffnet. Doch Risiko ist besser als K.o.

Um 20.30 Uhr entscheidet sich, ob Flensburg morgen mit dem Rücken zur Wand steht oder die Saison endgültig entgleist. Die Koffer für das Rückspiel sind schon gepackt – doch vorher muss einmal das Wunder von Skanderborg passieren. Sonst fliegt die European-League-Träume mit dem letzten Abendflug nach Hamburg. Und Johan Hansen lacht sich ins Fäustchen.