Filippo baroncini fährt sieben monate nach horror-crash wieder worldtour-debüt
Am Montag rollt die Volta a Catalunya – und mit ihr ein Wunder: Filippo Baroncini, 23, startet sieben Monate nach seinem 60-km/h-Aufprall gegen eine Betonmauer wieder in einem WorldTour-Feld. Der Weltmeister der U23 von 2021 feiert sein Comeback auf Asphalt, der vor Kurzem noch wie ein Traum wirkte.

11 Stunden op, zwei wirbel, ein neues gesicht
Die Zahlen des Unfalls beim Tour de Pologne klingen wie ein medizinisches Dossier aus einem Krimi: zwei Brustwirbel fixiert, Unterkiefer und Jochbein zertrümmert, Hirnblutung. Elf Stunden dauerte die Not-Operation im Mailänder Niguarda, ein Privatjet brachte ihn aus Polen nach Italien. Seither war Stillstand – bis jetzt.
Die UAE-XRG schickt ihn nicht irgendwo, sondern direkt auf die spanische Königsetappe. Das ist kein PR-Gag. In den letzten acht Wochen schob er auf Teide 1.200 Kilometer Wochenleistung, die Herzfrequenz-Daten liegen beim Performance-Chef auf dem Schreibtisch. Seine Aufgabe: Pogačars Schutzengel auf den Abstiegen, ein Job, für den man mehr braucht als gute Nerven.
Der Rennarzt der Mannschaft bestätigt: „Die Wirbel sind starr versteift, das Sicherheitsnetz ist ein Titanbugel.“ Die einzige Einschränkung: bei Nässe darf er nicht fallen. Die Wetter-App von Girona wird zum wichtigsten Teammitglied.
Für Baroncini geht es nicht nur um Punkte für die WorldTour-Wertung. Sein Vertrag läuft 2025 aus, und hinter ihm steht ein Dorf: Pelkum, 2.000 Seelen, hat seine Trainingsstrecken mit gelben Bandern markiert. Die Runde, die er früher in 38 Minuten fuhr, brauchte im Januar 56. Am Dienstag will er sie wieder in 40 schaffen – live im Stream des Vereins.
Die Volta a Catalunya gilt als Prolog für die großen Runden. Für Baroncini ist sie Endspiel und Auftakt zugleich. Er selbst sagt: „Ich bin nicht zurück, um zu erinnern. Ich bin zurück, um anzugreifen.“ Wenn er am 29. März in Barcelona über die Zielgerade rollt, wird niemand mehr über Heldentum sprechen. Dann zählt nur die Uhr – und sie zeigt an, dass Leben manchmal schneller ist als ein Sturz.
