Fifa im doping-schatten: experten zweifeln an ehrlichkeit
Die Weltmeisterschaft 2026 steht im Zeichen von Vorwürfen, die das Ansehen des Fußballweltverbands FIFA nachhaltig beschädigen könnten. Während der Verband von einem „umfangreichen Anti-Doping-Programm“ spricht, sehen Experten massive Defizite in der Transparenz und Kontrolle – und stellen die Glaubwürdigkeit des gesamten Wettbewerbs in Frage.
Doping-historie: ein unglaublicher zufall?
Richard W. Pound, Gründungspräsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), äußerte in einem Interview mit der ARD-Dopingredaktion deutliche Zweifel. Die Tatsache, dass es in über drei Jahrzehnten WM-Endrunden lediglich drei Dopingfälle gab, sei schlichtweg unglaubwürdig. „Ich habe keine Erklärung dafür, außer dass die FIFA nicht will, dass die WM durch Dopingfälle in Verruf gerät“, so Pound.
Der Vergleich mit anderen Sportarten ist eklatant: Bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften wurden in der gleichen Zeitspanne über 160 Dopingsünder aufgedeckt. Während die FIFA 2022 in Katar 369-mal testete, führten die Leichtathleten bei ihrer letzten WM 550 Kontrollen durch.

Zu wenig tests, zu wenig kontrolle
Auch Lars Mortsiefer, Chef der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), kritisiert die FIFA scharf. Er bemängelt, dass die Kontrollen nicht zielgerichtet genug seien und das Analysepotenzial nicht ausgeschöpft würde. „Ich glaube, da sind andere Verbände deutlich weiter“, so Mortsiefer. Die Tatsache, dass im Vergleich zu den Vorgaben der WADA im Fußball nur jede zehnte Kontrolle auf EPO analysiert wird, ist alarmierend – besonders angesichts des EPO-Falls um HSV-Spieler Mario Vuskovic.
Die FIFA gibt kaum Details über ihre Anti-Doping-Maßnahmen während der WM bekannt und weigert sich, auf konkrete Fragen einzugehen. Dies verstärkt den Eindruck einer mangelnden Transparenz und Verantwortlichkeit.

Der gomez-fall: ein dunkles kapitel
Ein besonders fragwürdiger Fall ist der von Alejandro „Papu“ Gomez, der während der WM 2022 in Katar zum Einsatz kam, obwohl er kurz zuvor bei einer spanischen Dopingkontrolle positiv auf Terbutalin getestet worden war. Die FIFA verzögerte die Veröffentlichung der Ergebnisse und ließ Gomez weiterhin spielen. Die FIFA hat das Recht, die Kontrollergebnisse und die entsprechenden Maßnahmen zu veröffentlichen, und hat dies in diesem Fall offenbar nicht konsequent getan.
Die Anti-Doping-Strategie der FIFA bleibt intransparent und werfen Fragen auf. Während andere große Sportverbände ihre Anti-Doping-Programme kontinuierlich verbessern, scheint die FIFA hinterherzuhinken. Die Konsequenz: Zweifel an der Fairness und Integrität des größten Fußballturniers der Welt.
Die Zeit der Selbstgefälligkeit ist vorbei. Die FIFA muss endlich Transparenz schaffen und ihre Anti-Doping-Maßnahmen deutlich verschärfen, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen. Sonst droht dem Weltverband ein Imageschaden, der unweigerlich dem gesamten Fußball schadet.
