Fidschi-rugby: nations championship – heimspiele in europa!
Ein überraschender Schachzug im internationalen Rugby: Die Nationalmannschaft der Fidschi Islands wird ihre Heimspiele im Rahmen des neuen Nations Championship nicht auf ihrem eigenen Territorium bestreiten, sondern in ausgewählten europäischen Metropolen. Eine Entscheidung, die finanzielle Probleme löst und gleichzeitig die Attraktivität des Wettbewerbs steigert – zumindest auf dem Papier.
Cardiff, liverpool, edinburgh: das sind die neuen “heimat”-stadien
Statt in Suva, dem 15.000 Zuschauer fassenden Nationalstadion, werden die Fidschi Islanders im Cardiff City Stadium gegen Wales, im Anfield Stadium in Liverpool (Heimat des FC Everton) gegen England und im Murrayfield Stadium in Edinburgh gegen Schottland antreten. Diese ungewöhnliche Konstellation ist eine direkte Folge des neuen Formats des Nations Championship, das drei Heim- und drei Auswärtsspiele für jede der zwölf teilnehmenden Mannschaften vorsieht. Da die Teams im Sommer nach Kontinentalen getrennt sind, ergeben sich logistische und finanzielle Vorteile für Fidschi, indem sie in großen europäischen Arenen spielen.
Die Entscheidung, die auf Vorschlag des fidschianischen Rugby-Verbandes erfolgte, soll vor allem die marode Finanzlage des Verbandes sanieren. Nach den schwierigen Jahren der Covid-19-Pandemie, in denen Verluste von rund 1,3 Millionen US-Dollar (ca. 500.000 Euro) angefallen waren, kämpft der Verband weiterhin mit einer Schuldenlast von über 3,5 Millionen US-Dollar (ca. 1,4 Millionen Euro). Die Einnahmen aus den Spielen in Europa werden voraussichtlich deutlich höher ausfallen als bei Spielen in Suva, insbesondere da die Stadien mit deutlich mehr Zuschauern rechnen können – und somit höhere Einnahmen generieren.
Doch der Preis für den finanziellen Erfolg ist hoch: Die Spiele werden für die fidschianischen Fans, die sich auf nächtliche Übertragungen einstellen müssen (Spielbeginn um 14:10 Uhr britischer Zeit, also 1:10 Uhr morgens in Fidschi), zu einer echten Zerreißprobe werden. Und auch für die Spieler bedeutet der Umzug nach Europa eine enorme Belastung, da sie in kurzer Zeit mehrere lange Reisen antreten müssen.

Ein teufelskreis der trainer: instabilität auf der insel
Neben den finanziellen Problemen plagt das fidschianische Rugby auch eine chronische Instabilität auf der Trainerbank. Nur in den letzten vier Jahren wurden bereits fünf verschiedene Trainer nominiert. Nach dem überraschenden Rücktritt von Vern Cotter kurz vor der Weltmeisterschaft 2023 übernahm Simon Raiwalui das Ruder und führte die Mannschaft zu bemerkenswerten Erfolgen, darunter einem Sieg gegen England. Doch auch er verkündete nach dem Turnier seinen Abschied. Aktuell steht Senirusi Seruvakula als Interimstrainer vor der Aufgabe, das Team in das Nations Championship zu führen – und die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger geht weiter.
Die aktuellen finanziellen Engpässe und die Trainer-Karussell verdeutlichen die schwierige Situation des fidschianischen Rugby. Ob die Einnahmen aus den Spielen in Europa ausreichen, um den Verband langfristig zu stabilisieren, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Die Entscheidung, Heimspiele in Europa auszutragen, ist ein verzweifelter Versuch, das sinkende Schiff zu retten – und ein Beweis dafür, dass im internationalen Sport manchmal auch unkonventionelle Lösungen gefragt sind.
