Fidalgo: zweifel und verantwortung im trikot mexikos
Álvaro Fidalgo, frisch von der WM-Vorbereitung mit Mexiko, hat in einem offenen Gespräch mit Andrés Guardado einiges über seine Entscheidung verraten, für das Land zu spielen, in dem er bereits fünf Jahre beim América Torreón verbrachte. Ein Gespräch, das von Betis auf Social Media geteilt wurde und tiefer blicken lässt als die sportlichen Aspekte.
Die zerrissenheit des herzens
Die Entscheidung, für Mexiko anzutreten, war für Fidalgo alles andere als ein Selbstläufer. Wie er zugab, plagten ihn erhebliche Zweifel. „Es ist eine Ehre, für Mexiko zu spielen, aber es ist keine leichte Entscheidung“, erklärte er. Er suchte sogar Rat bei Guardado, einem Urgestein des mexikanischen Fußballs, bevor er seine endgültige Entscheidung traf. Die Frage, wie er im Team aufgenommen würde, als jemand, der nicht in Mexiko geboren wurde, lastete schwer auf ihm. „Ich habe Andrés gefragt, was die Mannschaftsdynamik angeht. Ob ich als Außenseiter gesehen würde – das wäre schwierig gewesen.“
Guardado, der selbst fünf Weltmeisterschaften erlebt hat, beruhigte ihn: „Solange du dich für das Team gibst, wirst du Respekt erfahren.“ Ein Satz, der Fidalgo sichtlich berührte, denn er betonte, dass er sich der zusätzlichen Verantwortung bewusst sei, die mit dem mexikanischen Pass einhergeht. „Viele sagen, ich sollte keine größere Verantwortung fühlen, nur weil ich den Pass habe, aber das tue ich.“

Mehr als nur fußball: mentale belastung
Das Gespräch offenbarte auch eine Facette des Profifußballs, die oft im Verborgenen bleibt: die mentale Belastung. Fidalgo gestand, dass ihm das Abschalten schwerfällt und er oft persönliche Aspekte seines Lebens opfert, um seinen Verpflichtungen als Fußballer nachzukommen. Der kürzliche Tod seines Großvaters, einer zentralen Figur in seinem Leben, schmerzte besonders. „Mental hätte ich am liebsten bei meiner Familie geblieben, bei meiner Oma und meiner Mutter“, gab er offen zu und erklärte, warum er früher als geplant zurückreiste, um keine Trainingseinheiten zu verpassen.
Guardado zeigte sich in diesem Moment besonders einfühlsam und ermutigte ihn, ein Gleichgewicht zwischen seinem Beruf und seinem Privatleben zu finden – eine Erfahrung, die er selbst während seiner Karriere gemacht hat. „Du bist auch ein Mensch“, mahnte er und betonte, wie wichtig es sei, abzuschalten, um auf dem Platz Höchstleistungen zu erbringen.

Ein neustart in europa und die liebe zum betis
Fidalgo sprach auch über seinen Wechsel zurück nach Europa und die Wahl Betis Sevilla als neuen Verein. Nach fünf Jahren in Mexiko war es für ihn ein bewusster Schritt, sich sportlich weiterzuentwickeln und sich neuen Herausforderungen zu stellen. „Ich wollte in Europa einen Schritt nach vorne machen, als Spieler wachsen und mich fordern“, erklärte er. Dabei überraschte ihn die Lebensqualität in Sevilla positiv, und die Nähe zu seiner Familie spielte ebenfalls eine wichtige Rolle bei seiner Eingewöhnung.
Guardado, der selbst sieben Jahre bei Betis spielte, zeigte großen Respekt vor dem Verein und freute sich über die Champions-League-Qualifikation, als wäre er immer noch Teil der Mannschaft. „Ich habe es gefeiert, als wäre ich noch hier“, gestand er und betonte, dass das Wachstum des Vereins in den letzten Jahren das Ergebnis der Arbeit vieler Generationen von Fußballspielern sei. Fidalgo selbst ist sich der Konkurrenz im Team bewusst, hält Betis aber für einen der attraktivsten Ziele im spanischen Fußball. „Ich habe es mit meinem Berater immer wieder gesagt, noch als ich beim América war. Als er mir von Betis erzählte, sagte ich: ‚Das ist für mich im Moment das Maximum, weißt du?‘“, erklärte er und fügte hinzu: „Ich hoffe, Betis mich noch lange hier haben möchte – das wäre unglaublich.“
Fidalgo blickt nun selbstbewusst auf die WM und seine Zukunft bei Betis. Er ist entschlossen, sich in der mexikanischen Nationalmannschaft zu etablieren und einen wichtigen Beitrag zum Erfolg des Teams zu leisten. Sein Weg mag steinig sein, aber er hat sich entschieden, die Herausforderung anzunehmen und sein Herz in jedes Spiel zu legen - ein Vermächtnis, das auch Andrés Guardado ihm mit auf den Weg gab.
