Felix nmecha: hummels lüftet das geheimnis des stillen wm-künstlers
Er trägt die Nummer 8 und trifft wie ein 9er, doch wer ist Felix Nmecha wirklich? Mats Hummels liefert die Antwort – und die überrascht selbst erfahrene Teamkollegen.
Kein lautsprecher, aber ein lautsprecher mit coolness
„Gemäßigt extrovertiert“, sagt Hummels und streicht dabei über seinen grauen Dreitagebart. Die Formel klingt wie ein Oxymoron, passt aber exakt auf den 25-jährigen Mittelfeldstrategen. In der Kabine sitzt Nmecha nicht auf dem Lautsprecherpult, er schaltet es einfach an, wenn sein Timing reif ist. „Er macht Späße, quatscht mit jedem, aber er dominiert nie den Raum“, erklärt der 37-jährige TV-Experte im Gespräch mit Johannes B. Kerner. Die Pointe: Die Ruhe ist sein Stärke, nicht seine Schwäche.
Die Zahlen sprechen ohnehin für sich. Zwei Scorerpunkte in drei Gruppenspielen, 94 % Passgenauigkeit, 14 Balleroberungen im letzten Drittel – Statistiken, die sich wie ein Instagram-Profil eines Weltklassespielers lesen. Doch wer hinter den Daten schaut, entdeckt einen Spieler, der jede Szene dreimal im Kopf abspult, bevor er den ersten Schritt macht.

Wie ein regisseur, der erst spricht, wenn die kamera läuft
Hummels erinnert sich an den ersten Trainingstag nach Nmechas Wechsel nach Dortmund. „Er kam an, nickte höflich, stellte sich vor – und schwieg dann 20 Minuten.“ Was wie Zurückhaltung wirkte, entpuppte sich als Protokoll. Nmecha beobachtete die Laufwege von Reus und Brandt, notierte die Vorlieben von Adeyemi, bevor er selbst zur Tat schritt. „Als er dann das erste Mal mitspielte, legte er einen Steilpass wie einen Seidenfaden. Plötzlich wusste jeder: Der Neue hat ein drittes Auge.“
Diese Mischung aus analytischer Kälte und humorvoller Wärme macht ihn im Kader unverzichtbar. Während andere Spieler die Kabine mit Musik fluten, stellt Nmecha manchmal nur einen einzigen Song ein – meist 90er-HipHop – und lacht laut mit, wenn sich die Älteren über seine „Old-School-Playlist“ mokieren. „Cooler Humor eben“, wie Hummels sagt. Kein Wunder, dass ihn Nagelsmann immer öfter zur Ansprache bittet, wenn die Stimmung kippt.

Stiller pulsmacher mit wm-ambitionen
Kurz vor dem Achtelfinale gegen Ecuador zeigt sich: Nmecha ist längst mehr als ein Systemspieler. Er ist der emotionale Kompass einer jungen Truppe, die zwischen Anspruch und Anspannung pendelt. „Wenn Felix lacht, entspannt sich das ganze Zimmer“, berichtet ein Betreuer. Und genau das könnte am Ende den Unterschied machen zwischen einer guten und einer großen WM.
Die nächste Aufgabe wartet. Ecuador setzt auf Härte, Deutschland auf Nmechas ruhige Präzision. Hummels schmunzelt: „Wenn er wieder zwei Punkte macht, lacht er vielleicht sogar laut genug, dass es in Quito zu hören ist.“ Die Kabine jedenfalls wäre nicht überrascht.
