Fabregas liefert sich mit inter ein gefecht: „chivu wird’s nie zugeben – mit diesen stars bist du immer nah am sieg“
Cesc Fàbregas stand mit zerknitterter Kapuze im Nieselregen von San Siro, das 2:3 schmerzte, aber seine Stimme blieb ruhig. „Wütend sein wäre heute falsch“, sagte der Como-Coach, nachdem Inter in der Coppa-Italia-Halbfinal-Rückspiel-Auswärtsfahrt eine 0:2-Hypothek noch in 3:2-Sieg ummünzte. „Enttäuscht schon, aber nicht wütend. Das war ich am Freitag nach Sassuolo.“
Chivus verschwiegenes luxusproblem
Fàbregas zollte dem Gegner Respekt – und streute dabei einen Satz ein, der morgen in Mailands Zeitungen stehen wird: „Chivu wird es nie laut sagen, aber wenn du diese Spieler trainierst, bist du immer näher dran zu gewinnen.“ Gemeint ist Cristian Chivu, Inter-Co-Trainer und ehemaliger Teamkollege, der an der Seite von Simone Inzaghi die Abwehr umstellte und in der 70. Minute mit Frattesi und Zielinski die Weichen stellte. Der Rumäne lächelt über solte Komplimente nicht gerne – doch der Hinweis trifft den Nagel auf den Kopf: Inter brachte in der Schlussphase vier Nationalspieler, Como fehlten mit Sergi Roberto und Vojvoda die beiden erfahrenen Außenverteidiger.
Die Zahlen sprechen für Fàbregas: Como traf in dieser Saison dreimal auf die Nerazzurri, zweimal lag die Aufsteiger-Truppe in Führung, zweimal rettete der Meister in letzter Sekunde die Partie. „Wir haben gegen einen Klub gespielt, der seit Jahren zusammenwächst und gerade die Champions-League-Finalteilnahme hinter sich hat“, sagte der Spanier. „Und wir stehen ihm kaum nach.“

Vom verwaisten trainingsplatz bis kurz vor den pokalfinal
Was dem 37-Jährigen Kraft gibt, ist der Blick zurück. „Vor zwei Jahren fand ich morgens kein frisch gemähtes Trainingsfeld und kein Restaurant im Sportzentrum. Heute spielen wir Halbfinale und kämpfen um Europa.“ Como stand in der Serie A vor fünf Spielen auf Rang sieben – mit einem Punkt Vorsprung auf die Verfolger. Der Traum vom internationalen Wettbewerb lebt, selbst wenn die Coppa-Italia-Traumauswärtsfahrt nach 180 Minuten mit leeren Händen endete.
Fàbregas zog sogar Jürgen Klopp als Trostpflaster heran: „Er verlor sieben Finals, bevor er das erste gewann – und gilt trotzdem als einer der größten Trainer.“ Der Vergleich mag hoch gegriffen sein, doch er verrät viel über das Selbstverständnis des Jungcoaches, der seine Spieler nach dem Schlusspfiff in der Mitte des Rasens versammelte und lange Applaus spendete.

Der nächste schritt: fünf finals in der liga
„Die kleinen Details entscheiden auf diesem Niveau“, räumte er ein. „Sie haben Wechsel, die den Unterschied machen, wir hatten keine frischen Außenverteidiger mehr.“ Nun zählt nur noch die Meisterschaft. Mit fünf Partien bis Saisonende und nur einem Punktepolster auf die Konkurrenz darf Como nichts anbrennen lassen. „Wir haben heute gezeigt, dass wir mit den Großen mithalten. Wer das kann, darf auch gegen Bologna, Udinese und Lecce gewinnen.“
Der Nieselregen von San Siro verwandelte sich in strömenden Regen, als Fàbregas die Mixed Zone verließ. Sein letzter Satz blieb hängen: „Ich bin stolz. Aber Stolz zählt keine Punkte – die holen wir jetzt am Wochenende.“
