Ex-bayern-star schlägt jetzt in italien 4. liga ein: das video spricht bände
Ein Mann mit vier Champions-League-Jahren im Rücken dribbelt am Sonntag vor 400 Zuschauern durch Schlamm. Der ehemalige Bayern-Profi Vladimir Ranković trägt in dieser Saison das Trikot des AC Virtus Lanciano – und das nicht in der Serie B, sondern in der Serie D, der vierten italienischen Spielklasse.
Vom münchner bankdrücker zum abruzzen-maler
Die 48 Sekunden, die seit Montag auf Instagram kursieren, zeigen ihn nicht beim Pressing, sondern beim Kunstschuss. Ranković nimmt den Ball mit der Hacke mit, dreht sich um 180 Grad und netzt aus 22 Metern ein. Die Kommentare unter dem Clip explodieren: „Bayern-Ausgemusterte zaubern eben weiter“, schreibt ein User. Das Video stammt vom Spiel gegen Avezzano, 2:1 – sein drittes Tor in vier Partien.
Bei den Bayern war der Mittelfeldspieler 2019/20 für ein halbes Jahr unter Hansi Flick im Kader, kam aber nie über Einwechsel-Listenplätze hinaus. Danach folgte ein Leihgeschäft nach Düsseldorf, ein abgebrochener Versuch in der Türkei, schließlich die Freigabe. Statt in Katar oder MLS zu unterschreiben, griff er zum Hörer und wählte Lanciano. „Ich wollte wieder Fußball spielen, nicht nur Trainingsgeld kassieren“, sagte er der BILD.
Die Tatsache, dass ein 31-Jährige mit 34 Bundesliga-Einsätzen nun auf Aschenplätzen gegen Hobby-Maler und Friseure trifft, wirft ein Schlaglicht auf das prekäre Ökosystem jenseits der TV-Ligen. Lancianos Budget: 400 000 Euro für den kompletten Kader – Lewandowski verdiente das in drei Tagen. Die Gästebusfahrten dauern bis zu sieben Stunden, die Kabinen sind marode. Ranković schläft dennoch mit zehn Mann in einem Team-Pension, bezahlt freiwillig die Kaffeerechnung.

Warum das bein noch funkt und die seele jubelt
Sportdirektor Domenico D'Agostino nennt die Verpflichtung „den Coup der Dekade“. Die Eintrittszahlen stiegen um 67 %, die Social-Media-Reichweite verfünffachte sich. Ranković trainiert zweimal täglich, gibt Einzelcoaching an 17-jährige Mittelstürmer und spendet Trikots. „Er könnte auf Mallorca chillen, will aber hier Meister werden“, schwärmt Präsident Filippo Di Lella. Serie D bedeutet zwar kein Fernsehgeld, dafür aber echte Nähe: Nach dem Spiel unterschreibt Ranković 90 Minuten Autogramme, bis der Platzwart das Licht ausschaltet.
Die Konkurrenz reagiert mit Mischung aus Respekt und Häme. Gegnerische Fans skandieren „Bayern-Depp“, teamkollegen feiern ihn als „Professor“. Die Statistik gibt ihm recht: vier Tore, sieben Vorlagen, 1,8 gewonnene Zweikämpfe pro Spiel – Spitzenwerte in der Gruppe F. Für den Aufstieg in die Serie C fehlen dem Tabellendritten nur noch zwei Punkte. Sollte es klappen, winken 200 000 Euro Prämie – für Lanciano ein Vermögen, für Ranković ein Taschengeld, für die Fans ein Fest, das die Stadt noch nicht erlebt hat.
Am Sonntag gastiert Tabellenführer Teramo. 3 000 Karten sind bereits weg, die Zeltstadt vor dem Stadion wird wieder aufgebaut. Ranković schreibt auf Instagram: „Vom Allianz bis Abruzzen – der Ball rollt überall.“ Wenn er trifft, donnert es nicht nur in den Bergen, sondern auch in den Kommentarspalten. Denn manchmal ist der Abstieg kein Ende, sondern der Beginn einer Liebesgeschichte, die ganz oben begann und ganz unten weiterlebt – mit Schlamm statt Sternenhimmel, mit Leidenschaft statt Leerstand.
