Evenepoels katastrophe in katalonien: sturz 500 m vor ziel kostet sieg
Volta a Catalunya, 3. Etappe: Remco Evenepoel fliegt in letzter Kurve über das Vorderrad – Tagessieg und Gesamtführung weg. Grund: ein Schlagloch, das niemand sah. Der Belgier blutet, kassiert elf Sekunden Rückstand und zweifelt nun an der Fortsetzung.
Die szene, die alle sprachlos machte
500 Meter. Noch 500 Meter bis Vila-seca, und Evenepoel zieht mit Jonas Vingegaard davon. Die Führung sicher, der Sprint eingeplant. Dann der Kreisverkehr, ein dumpfer Knall, ein Helm, der über Asphalt rutscht. Eurosport-Kameras fangen den Moment ein: Evenepoel rappelt sich auf, wischt sich Blut vom Ellenbogen, schaut auf die Uhr – verloren.
Im Ziel liefert der 26-Jährige die Erklärung, die niemand erwartet hatte: „Ein ziemlich großes Schlagloch, nicht markiert, kaum sichtbar. Ich hab’s voll erwischt, das Vorderrack weg, weg war die Kontrolle.“ Keine Absprungkante, kein Touch-Wheels, nur ein Stück maroder Straße, das den Favoriten aushebelt.

Vingegaards faire geste und godons profit
Hinter ihm bremst Vingegaard. Der zweimalige Tour-Champion wartet, lässt das Feld wieder aufschließen. „Ich wollte mir keinen Vorteil erpressen“, sagt der Däne. Moralpunkte statt Sekunden – ein Bild, das die Social-Media-Kanäle binnen Minuten flutet.
Dorian Godon nutzt das Chaos. Der Ineos-Kapitän sprintet unbedrängt zum Etappensieg und verteidigt das Trikot. Evenepoel rutschen elf Sekunden ab – auf dem Papier machbar, auf der Haut schmerzhaft. „Der Ellbogen sieht aus wie ein Luftkissentisch, aber nichts gebrochen“, sagt er. Ob er in die Pyrenäen startet, entscheidet sich erst nach ärztlicher Nachtuntersuchung.

Warum dieser sturz weit über katalonien hinausweist
Die Szene ist ein Lehrstück über Randbedingungen im Profisport. Kein Gegner, keine Taktik, nur ein Stück fehlender Asphalt – und schon ist ein ganzes Rennen entglitten. Evenepoel selbst hatte die Volta 2023 als Zweiter beendet, diesmal galt er als Top-Kandidat auf das Gesamtsieg-Konto. Jetzt hängt alles an Schwellungen, Röntgenbildern und der Frage: Wie schnell heilt Haut, die gerade noch Siegespläne trug?
Die Organisatoren müssen sich erklären. WeltTour-Niveau und unmarkierte Schlaglöcher – das passt zusammen wie Carbonfelgen auf Kopfsteinpflaster. Evenepoels Sturz wird die Rennleitung zwingen, Streckenposten erneut zu schulen. Denn was in Katalonien passiert, vergisst die Radwelt nicht: Ein kleines Loch, ein großes Drama.
