Evenepoel: tourmalet-fluch mit vier kilo weniger?
Remco Evenepoel stellt sich beim diesjährigen Tour de France einer seiner größten Bewährungsproben: dem Tourmalet. Doch diesmal kommt der belgische Superstar mit einer neuen Waffe – und einer gehörigen Portion Fragezeichen – an den Start. Vier Kilo weniger auf der Waage sollen ihm helfen, den Fluch dieses legendären Passes zu brechen.
Ein kalkulierter risiko-wechsel
Die Red Bull-BORA Mannschaft hat ihre Strategie angepasst. Die Reduzierung seines Körpergewichts ist kein Zufall, sondern ein bewusster Schachzug, um Evenepoels Leistung in den entscheidenden Bergetappen zu optimieren. Patxi Vila, Sportdirektor des Teams, bestätigte die Veränderung, obwohl er den genauen Zeitpunkt der Gewichtsabnahme nicht beziffern wollte. Wichtiger ist die Botschaft: Remco befindet sich im gewünschten Zustand und ist bereit für die Herausforderung.
Doch der Druck ist enorm. Evenepoel, dessen Motorleistung und Zeitfahrekunst unbestritten sind, hat immer wieder in der Hochgebirgsphase des Tours zu kämpfen. Der Tourmalet ist dabei kein Freund des Belgiers. Erinnerungen an die Vuelta a España 2023 sind noch frisch, als er dort bereits am Aubisque deutliche Schwächen zeigte und letztendlich fast eine halbe Stunde auf Jonas Vingegaard einbüßte. Ein Tag, der sich tief in das Gedächtnis des Fahrers und der Fans eingebrannt hat. Auch im vergangenen Jahr endete sein Tour auf den Hängen des Tourmalet.
Klaas Lodewyck, ein weiterer Vertrauter des Teams, versucht, die Angst vor dem Tourmalet zu zerstreuen. “Wir wollen nicht, dass der Tourmalet zu einem ‘Schwarzen Bock’ für Remco wird.” Er betont, dass Evenepoel bereits an noch anspruchsvolleren Pässen überzeugt hat und dass die Höhe von über 2.000 Metern nicht zum Selbstzweck werden darf. Die Cime de la Bonette mit ihren 2.800 Metern hat bereits gezeigt, dass Evenepoel auch mit extremen Höhenlagen umgehen kann.

Mehr als nur ein paar kilo
Die vier Kilo sind mehr als nur eine Zahl. Sie symbolisieren eine Veränderung in Evenepoels Ansatz. Weniger Ballast, mehr Effizienz, mehr Reserven, wenn es ernst wird. Er will sich nicht nur verteidigen, sondern mit den Besten mithalten können. Vila ist optimistisch: “Ich mache mir überhaupt keine Sorgen. Die beiden arbeiten hervorragend zusammen. Sie sind komplementäre und gleichzeitig völlig unterschiedliche Radfahrer.”
Die erste große Testfahrt in den Pyrenäen wird zeigen, ob die Transformation ausreicht, um die Geschichte zu ändern. Die sechste Etappe ist für Vila ein entscheidender Moment: “Wir hatten diese Etappe schon im Kalender markiert. Bisher hat der Tour nur einen Teil des Skripts gezeigt. Jetzt werden wir sehen, wo jeder wirklich steht.”
Die UAE-Emirates-Mannschaft um Pogacar gilt weiterhin als der größte Konkurrent. Vila erwartet einen aggressiven Auftritt von Pogacar und seinem Team, und betont, dass sich die anderen Mannschaften anpassen müssen. Der Tourmalet ist unerbittlich. Er misst Beine, Köpfe und Ausdauer. Remco Evenepoel kommt mit vier Kilo weniger und einem ungelösten Konto. Ob diese Transformation ausreicht, um die Vergangenheit zu vergessen und eine neue Ära einzuleiten, wird die kommenden Tage zeigen.
