Evenepoel: psychologischer vorteil durch rekordgewicht?
Gavarnie-Gèdre – Remco Evenepoel geht mit neuer Strategie und einem überraschenden körperlichen Detail in die sechste Etappe der Tour de France. Nach einer enttäuschenden Vorstellung im Vorjahr am Col du Tourmalet will der Belgier nun zeigen, dass er zu den Top-Favoriten auf den Bergankünften gehört – und das mit einem Gewicht, das selbst seinen Sportdirektor überrascht.

Ein detail verändert alles: evenepoels gewichtsverlust
Klaas Lodewyck, langjähriger Sportdirektor bei Red Bull, verriet am Mittwoch ein Geheimnis, das den Kurs des jungen Belgiers möglicherweise entscheidend beeinflussen wird: „Probably the lightest I’ve ever seen him.“ – „So leicht habe ich ihn noch nie zuvor gesehen.“ Evenepoel selbst bestätigte vor dem Grand Départ, dass er fast vier Kilogramm abgespeckt hat, ohne dabei seine enorme Kraftleistung einzubüßen. Ein Schlüsselmoment für seinen Erfolg, so Lodewyck.
Die sechste Etappe am Donnerstag, mit ihren anspruchsvollen Anstiegen, insbesondere dem Col d’Aspin, dem Col du Tourmalet und einem langen Schlussanstieg, stellt für Evenepoel eine Art Richtungsweisende dar. Nach fünf Etappen liegt er zwar 8:16 Minuten hinter dem Führenden Torstein Traeen zurück, aber der Rückstand auf die Topfavoriten Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard beträgt lediglich 23 Sekunden – ein Abstand, der in den Pyrenäen schnell anwachsen kann.
Die Vergangenheit wie ein Schatten: Letztes Jahr endeten Evenepoels Hoffnungen am Col du Tourmalet abrupt. Er musste aufgeben, ein bitterer Rückschlag, den er nun um jeden Preis vermeiden will. Um dies zu erreichen, hat er seine Vorbereitung grundlegend überarbeitet. Nach dem Frühjahr verzichtete er auf Rennpläne und konzentrierte sich stattdessen auf 68 Tage intensives Training. „Ich denke, er fühlt sich dadurch gut – und vor allem weniger gestresst“, so Lodewyck. Ein Zustand, den man bereits in den Auftakttagen der Tour beobachten konnte.
Die Unterstützung durch das Team UAE Team Emirates-XRG könnte für Evenepoel entscheidend sein. Red Bull rechnet mit einer starken Tempoarbeit, um die Konkurrenz zu zermürben. Schließlich haben Isaac del Toro und Pogacar in den ersten Tagen bereits zwei Etappen gewonnen und damit ein klares Signal gesetzt. Evenepoel wird versuchen, sich an deren Fersen heften – solange es nur geht. Die Pyrenäen werden zeigen, ob die ungewöhnliche Vorbereitung und der überraschende Gewichtsverlust Früchte tragen.
Die Uhr tickt: Nachdem er bereits in den ersten Tagen eine deutliche Verbesserung gezeigt hat, stellt die sechste Etappe den nächsten Test dar. Ob Evenepoel seine Vergangenheit hinter sich lassen und in den Kampf um das Gesamtklassement eingreifen kann, wird sich bald zeigen. Und eines ist klar: Dieser Berg könnte der Moment sein, in dem er seine Gegner ausmanövriert.
