Erviti: vom helfer zum architekten – ineos baut neu auf!

Imol Erviti blickt zurück auf eine Karriere, die ihn vom gestandenen Helfer im Peloton zum strategischen Kopf bei INEOS Cycling geführt hat. Der baskische Ex-Profi weiß, was es bedeutet, am Rande des Geschehens zu stehen und die Rennen aus einer anderen Perspektive zu betrachten – eine Perspektive, die nur jene verstehen können, die das Peloton von innen heraus erlebt haben. Doch die Sehnsucht nach dem Kampfgeist des Rennens ist immer noch da, tief verwurzelt in den Erinnerungen an glorreiche Tage.

Die nostalgie der starken beine

„Es sind die Erinnerungen an die guten Tage, an das Gefühl, wenn die Beine kraftvoll durchdrehen, die einen manchmal zurückwerfen“, gesteht Erviti in einem Interview mit MARCA. Er idealisiert das Leid nicht, vergisst aber auch nicht, wie intensiv er einst jede Etappe erlebte. „Es gibt Tage, an denen man schon Neid empfindet, wenn man sieht, wie andere kämpfen. Aber wir haben diese Zeit genossen und sind dankbar dafür.“

Ineos im umbruch: mehr als nur eine chrono-pleite

Ineos im umbruch: mehr als nur eine chrono-pleite

Das Team INEOS befindet sich derzeit in einer Phase des Umbruchs. Die Zeiten der unangefochtenen Dominanz in den großen Rundfahrten sind vorbei, doch das Team arbeitet unermüdlich an einer Neuausrichtung. Der enttäuschende Start in die Tour de France, insbesondere die Chrono-Mannschaftszeit, verdeutlicht die Herausforderungen. „Wir waren knapp dran, aber es lief nicht perfekt, wie bei vielen anderen Teams auch“, analysiert Erviti nüchtern. Es war ein Teufelskreis aus Problemen und Stürzen, der den Start erschwerte.

Neue strategie: etappenjagd statt gesamtklassement

Neue strategie: etappenjagd statt gesamtklassement

Doch INEOS hat seine Strategie angepasst. Der Fokus liegt nicht mehr ausschließlich auf dem Gewinn der Gesamtklassifizierung, sondern stärker auf der Jagd nach Tageserfolgen. „Das Team verfolgt einen etwas anderen Ansatz“, erklärt Erviti. „Wir konzentrieren uns mehr auf die Etappen und suchen nach neuen Wegen, das Rennen zu gestalten.“

Carlos rodríguez: geduld ist gefragt

Ein Name, der in dieser Saison besonders im Fokus steht, ist Carlos Rodríguez. Der junge Spanier hat noch nicht die erhofften Ergebnisse erzielt, was zu gewissen Bedenken führt. Erviti mahnt jedoch zur Geduld. „Das sind Phasen, die kommen und gehen. Jede Serie endet irgendwann, auch die guten“, betont er. Er sieht im Team harte Arbeit und Engagement, das sich noch nicht in den Ergebnissen widerspiegelt. „Wir arbeiten hart, geben alles. Ich glaube, wir sind besser als unsere Ergebnisse zeigen.“ Rodríguez befindet sich in einem „guten Punkt“, und das Team sieht eine positive Entwicklung.

Die zukunft hat spanischen akzent

Die Zukunft von INEOS wird zweifellos von spanischen Talenten geprägt sein. Die Verpflichtungen von Markel Beloki und Benjamín Noval wecken große Hoffnungen. „Es ist aufregend, zwei so talentierte junge Fahrer in unser Projekt zu integrieren“, freut sich Erviti. Die Herausforderung besteht nun darin, sie zu unterstützen, sie vor dem Lärm zu schützen und ihnen die bestmögliche Umgebung zu bieten, um sich zu entfalten.

INEOS ist nicht mehr der alles dominierende Gigant, der einst die Rundfahrten im Griff hatte. Das Team sucht einen neuen Weg: einen Weg der Geduld, der Wiederaufbauarbeit, der Chancen und einer neuen Generation, die gefördert werden muss. Imol Erviti steht dafür als Stimme der Besonnenheit bereit – der Stimme eines Mannes, der das Rennen selbst erlebt hat und nun versucht, anderen zu helfen, ihren besten Tag zu finden.