Enric mas kehrt zurück: giro-start nach hand-op und thrombose

Enric Mas hat die Daumenschrauben abgelegt – und hält trotzdem die Hand aufs Herz. Seit Juli kein Rennen, seit Januar keine Schmerztablette zu viel: Der Balearen-Bergziege springt in der Volta a Catalunya wieder aufs Rad, bereit, das erste Kapitel seiner neuen Saison zu schreiben. Das Kapitel heißt Giro d’Italia.

Die nacht, in der das handgelenk klaffte

Ein Sturz beim UAE-Tour-Auftakt, ein Sprung in die Gräben, ein Blick auf die Finger – und Mas wusste: „Für lang.“ Die Haut aufgerissen, Sehnen blitzblank, Schienbein blutverschmiert. Was die Teamärzte zunächst als „Kratzer“ deklarierten, entpuppte sich als offene Gelenkverletzung. Drei Wochen später immer noch ein rotes Ausrufezeichen auf der Innenseite. „Ich habe die Daumenschrauben des Gipssschuhs selbst zugeknallt, weil die Schmerzen nachts nicht erträglich waren“, sagt er leise.

Die Trombose kam obendrauf – ein Souvenir des Sturzes am Muro de Bretaña. Drei Monate ohne Pedalritzen, dafür mit Blutverdünner und der Gewissheit, dass die Vuelta 2024 ohne ihn rollen würde. „Man ass es, weil es kein Plan B gibt“, erklärt Mas. „Aber man schläft schlecht, wenn man weiß, dass die Saison für dich eigentlich schon vorbei ist.“

Movistar winkt ab – und setzt dennoch auf ihn

Movistar winkt ab – und setzt dennoch auf ihn

Vertrag verlängert, Kapitänsbinde behalten. Eusebio Unzué ließ keinen Zweifel: Mas bleibt der Mann für die Grand Tours. „Wir haben nicht gewechselt, weil wir an ihm zweifeln, sondern weil wir an seinem Körper arbeiten“, sagt der Teamchef. Die Beweise lagen auf dem OP-Tisch. Innenband, Außenband, Kapsel – aluschnitt. „Zwanzig Tage konnte ich nicht mal eine Kaffeetasse halten“, sagt Mas. „Heute kann ich wieder bremsen. Noch nicht schmerzfrei, aber ich kann bremsen.“

Die Logik des Radsports: Wer lange fehlt, muss schneller liefern. Mas lacht schulterzuckend: „Ich habe keine Ahnung, ob meine Lungen noch für ein Drei-Wochen-Rennen reichen. Aber ich habe Lust, es herauszufinden.“

Giro statt tour – ein machtwechsel in drei akten

Seit 2018 fuhr er jeden Juli nach Frankreich, diesmal wird er im Mai Italien plündern. Die Entscheidung fiel im Bett des Tour-Rückzugs. „Ich lag im Hotelzimmer, hatte gerade aufgegeben, und dachte: ‚Wenn ich jetzt nichts Neues versuche, wird das Rad nie wieder rund.“‘ Ein Anruf bei Unzué, ein „Sí, claro“, fertig. Jonas Vingegaard und João Almeida? „Die müssen sich gegenseitig nicht beobachten. Die Beobachtung laufen wir – und ich laufe hinter denen her, bis meine Beine explodieren“, sagt Mas mit einem Grinsen, das fast schon wieder wehtut.

Ziel: Podium. Realistisch? „Wenn du mich vor acht Monaten gefragt hättest, hätte ich gesagt: Lieber nicht. Heute sage ich: Warum nicht?“ Drei Wochen Hohentraining im Sierra-Nevada-Block, 80 Prozent des Giro-Kaders an seiner Seite. „Wir werden nicht über Nacht zaubern, aber wir werden nicht ertrinken.“

Respekt statt angst – vater werden verändert den blick

Seit der schweren Abwärtsfahrt vor einem Monat überholt ihn jeder Kleinbus mit deutlichem Abstand. „Du fährst nicht langsamer, du fährst aufmerksamer“, sagt er. „Das Kind schläft, wenn du nach Hause kommst – und du willst, dass es dich ohne Gipssschuhe sieht.“

Die Geduld, das behauptet er, habe ihm der Stillstand geschenkt. „Früher bin ich im Training kaputtgegangen, weil ich dachte, ich müsste jeden Berg in Rekordzeit erklimmen. Heute bin ich froh, wenn ich überhaupt hochkomme.“

Und so endet das Gespräch nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einem Satz, der klingt, als hätte er die letzten Monate in einem einzigen Atemzusammenhang verarbeitet: „Ich will 2026 ohne Krücken durchstarten – und wenn das bedeutet, dass ich im Giro einmal kurz stehenbleibe, um wieder anzugreifen, dann ist das okay. Hauptsache, ich greife überhaupt an.“