Englische nationalmannschaft: das ende der 'wags'-ära?
Kansas City – Die Zeiten wilder Partys, Skandale und endloser Boulevardgeschichten rund um die Frauen der englischen Nationalspieler scheinen endgültig vorbei. Während Harry Kane und Co. sich auf den WM-Titel konzentrieren, erinnert die nüchterne Atmosphäre in Kansas City an eine längst vergangene Epoche, in der die sogenannten 'Wags' für Schlagzeilen sorgten – oft mehr als die Spieler selbst.
Ein ruhiger wm-alltag ohne glamour
Thomas Tuchel, der neue Architekt der Three Lions, hat eine klare Linie: Konzentration ist oberstes Gebot. Die Erinnerungen an Baden-Baden 2006, wo die Frauen der Spieler eine eigene Geschichte innerhalb der Geschichte schrieben, sind verblasst. Keine Victoria Beckhams, keine Coleen Rooneys – die Zeit der Persönlichkeiten, die im Rampenlicht standen, ist vorbei. Die heutigen Partnerinnen der Nationalspieler halten sich eher im Hintergrund, wie Katie Goodland, die Frau von Kapitän Kane, die ihren Privatleben streng hütet.
Auch Declan Rice, bekannt für sein bodenständiges Image, datet Lauren Fryer, die eher für ihre Authentizität als für einen Laufsteg-Look bekannt ist. Und selbst der junge Jude Bellingham, der mit der Influencerin Ashlyn Castro gesehen wurde, bringt keine neue Wags-Ära ins Spiel. Tuchels Politik – kein Frauenbesuch im Trainingslager, lediglich ein Tag der Familien nach jedem Spiel – verstärkt diesen Eindruck noch.
Die Atmosphäre in Kansas City ist weit entfernt von dem Glamour, der die WM 2006 in Baden-Baden prägte. Damals waren die Frauen der Spieler die Stars neben den Stars, ihre Eskapaden füllten Zeitungen und schufen eine Medienlandschaft, die weit über den Sport hinausging. Rio Ferdinand bezeichnete die Frauen damals sogar als “wichtiger als die Spieler” – eine Aussage, die bis heute für Gesprächsstoff sorgt.
Die Nächte waren lang und wild, die Partys unendlich, die Skandale zahlreich. Die BBC widmete dieser Ära sogar eine Doku, “England 2006: Die verlorene Generation”. Von vergnüglichen Vater-Söhnen-Momenten im italienischen Restaurant bis hin zu Partys mit David Beckham – die Geschichten waren legendär. Die Spieler selbst berichten heute von dieser Zeit mit einem gewissen Augenzwinkern.
Die Zeiten haben sich geändert. Southgate und nun Tuchel haben eine Kultur des Fokus und der Disziplin etabliert. Die Spieler konzentrieren sich auf das Spielfeld, die Medien auf die Leistung. Die Fans feiern die Siege – und vergessen langsam die Zeiten, in denen die Frauen der Spieler das Rampenlicht stahlen.
Die Kansas City Royals und Ella Langley boten zwar kurzweilige Ablenkungen, doch die Spieler kehrten stets pünktlich zum Curfew zurück. Die Disziplin ist unumstößlich. Die Ära der 'Wags' ist in den Geschichtsbüchern verstaubt – und eine neue, nüchternere Ära des englischen Fußballs hat begonnen.

Ein neuer fokus auf das wesentliche
Die Frage ist nicht, ob die Abwesenheit der 'Wags' die englische Nationalmannschaft stärker macht. Die Frage ist, ob diese Disziplin und Konzentration letztendlich zum ersehnten WM-Titel führen werden. Denn eines ist klar: Dieser Weg der Konzentration und des Fokus, ohne die Eskapaden der Frauen der Spieler, könnte der entscheidende Faktor sein, der England zum Erfolg führt.
