England-legende hurst: 'tuchel kann uns in's finale führen'

Kansas City – Sechzig Jahre nach dem kontroversen WM-Finale von 1966 blickt Geoff Hurst, der einzige noch lebende Spieler aus dem legendären englischen Triumphteam, auf die Gegenwart und Zukunft seines Landes. Der 84-Jährige, der in jenem historischen Spiel gegen die Bundesrepublik Deutschland einen historischen Dreierpack erzielte, äußert sich begeistert über den aktuellen Coach und seine Chancen im internationalen Fußball.

Die wembley-kulisse und der ruf nach ramsey

Hurst erinnert sich lebhaft an den Tag, als er gemeinsam mit seinen Teamkollegen die Coppa Rimet von Königin Elisabeth entgegennahm. „Die Emotion, das Stadion, der Jubel – unvergesslich“, so der ehemalige West Ham-Stürmer. Das Fehlen seiner ehemaligen Mannschaftskameraden wie Bobby Moore schmerze ihn jedoch zutiefst. „Ich wünschte, mindestens ein oder zwei von ihnen wären hier, um die Spiele gemeinsam mit mir zu sehen.“

Der WM-Held von 1966 spricht außerdem über die veränderten Bedingungen im Profifußball. „Die Platzverhältnisse damals waren eine Katastrophe“, erinnert er sich an die oft schlammigen Zustände im Upton Park, dem Heimstadion von West Ham. „Dabei standen überall Schilder, die das Betreten des Rasens verboten.“

Tuchel als nachfolger von ramsey?

Tuchel als nachfolger von ramsey?

Doch Hurst sieht in der aktuellen Nationalmannschaft vielversprechendes Potenzial. „Tuchel hat das getan, was einst Alf Ramsey gemacht hat“, erklärt er. „Er hat den Spielern klar gemacht, dass eine Mannschaft mehr ist als die Summe ihrer Einzelteile.“ Er betont, dass die englischen Spieler individuell auf höchstem Niveau agieren, aber dass der Teamgeist entscheidend sei. „Das ist der richtige Geist“, so Hurst.

Die Frage, ob Hurst nicht lieber der Einzige bleiben möchte, der eine Weltmeisterschaft gewonnen hat, weist er entschieden zurück. „Nichts würde mich mehr freuen, als diese Ehre an die nächste Generation weitergeben zu können. Wir können es schaffen, in's Finale zu kommen – und sogar zu gewinnen.“

Obwohl er die Spiele meist vor dem Fernseher mit seiner Frau verfolgt, hegt Hurst den Wunsch, bei einem möglichen Finalspiel live dabei zu sein. Die Erinnerung an den umstrittenen Treffer zum 3:2 im Finale von 1966, der bis heute von einigen als nicht regulär angesehen wird, lässt er dabei unbeirrt. „Der Ball war im Tor – mindestens einen halben Meter“, stellt er klar.

Die Diskussionen um diesen Moment werden wohl nie enden, doch Hurst blickt optimistisch in die Zukunft der englischen Nationalmannschaft. „Mit dem richtigen Teamgeist und der Führung von Tuchel ist alles möglich.“