Energie cottbus: der aufstieg, der mehr als nur fußball bedeutet

Nach zwölf Jahren der Wartezeit und zahlreicher Stolpersteine ist es endlich soweit: Energie Cottbus kehrt zurück in die 2. Bundesliga! Doch dieser Aufstieg ist weit mehr als nur eine sportliche Erfolgsgeschichte – er ist ein Spiegelbild der Widerstandsfähigkeit, der Leidenschaft und des unbändigen Willens einer ganzen Region.

Eine reise voller emotionen und erinnerungen

Als Sportreporter beim rbb habe ich diese Reise hautnah miterlebt. Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, als ich als junger Kollege beim Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) die ersten Aufstiege begleiten durfte. Damals, in den Siebzigern, faszinierte mich etwas an diesem Verein, obwohl ich weder Verwandte in Cottbus hatte, noch die Stadt kannte. Die Fußballkonferenz im Radio war ein fester Bestandteil meiner Jugend, und die Spiele von Energie Cottbus waren immer etwas Besonderes.

Und dann waren da noch die Cottbuser Kekse – ein süßer Anker in meiner Kindheit, der mich immer wieder an die Spiele und die Hoffnung erinnerte. Meine Mutter verarbeitete sie gerne zu Kaltem Hund, einer Kalorienbombe, die bei keinem Kindergeburtstag fehlen durfte. Diese süßen Assoziationen haben meine Verbindung zu Energie Cottbus über all die Jahre hinweg verstärkt.

Doch der wahre Schlüssel zum Erfolg lag in der Einheit. Trainer Eduard Geyer schaffte es in den 90ern, eine Mannschaft zu formen, die aus Überzeugung spielte, aus Leidenschaft und aus dem unbedingten Willen, etwas zu erreichen. Er trimmte die Mannschaft auf Geschlossenheit, Disziplin und einen kompromisslosen Spielstil. Viele gegnerische Teams reisten später mit einem unguten Gefühl ins Stadion der Freundschaft.

Energie Cottbus verkörperte stets den typisch ostdeutschen Charakter: die Fähigkeit, aus wenig viel zu machen, zu improvisieren und niemals aufzugeben. Es war ein Verein, der sich nicht von Glanz und Glamour leiten ließ, sondern auf Bodenständigkeit und Authentizität setzte. Gerhard Gundermanns Hymne „Hier bin ich geboren“ beschreibt diesen Geist perfekt: Hier sind wir alle noch Brüder und Schwestern, hier sind die Nullen ganz unter sich.

Die Konfettikanone, die ich nach dem Aufstieg 1997 fast taub gemacht hat, ist ein weiteres prägendes Bild dieser Geschichte. Die Fan-Party am Altmarkt war ein unvergessliches Erlebnis, ein Ausdruck der unbändigen Freude und des Stolzes, der die Stadt erfasst hatte.

Die zukunft winkt

Die zukunft winkt

Nach dem Abstieg und den schwierigen Jahren in den unteren Ligen ist Energie Cottbus nun zurück, gestärkt und hungrig nach Erfolg. Der Zusammenhalt zwischen Mannschaft, Verein und Fans ist stärker denn je. Und mit Trainer Wollitz hat der Verein einen Mann an der Seitenlinie, der seine Mannschaft zu Höchstleistungen motivieren kann.

Ich freue mich besonders auf die Brandenburg-Berlin-Derbys in der 2. Bundesliga. Es wird spannende Spiele geben, die die Rivalität zwischen den beiden Regionen neu entfachen werden. Energie Cottbus hat bewiesen, dass man mit Leidenschaft, Zusammenhalt und einem starken Willen alles erreichen kann. Der Aufstieg ist ein Triumph für die gesamte Lausitz und ein Beweis dafür, dass der Fußball mehr ist als nur ein Spiel – er ist ein Lebensgefühl.

Die Zahl spricht für sich: 12 Jahre Wartezeit, unzählige Stunden harter Arbeit und ein unerschütterlicher Glaube an die eigene Stärke. Energie Cottbus ist zurück, und die Zukunft sieht rosiger aus denn je.