Elfenbeinküste zerlegt südkorea vier tage vor wm-los: warnung an nagelsmann

Die Elfenbeinküste schickt 86 Tage vor dem Kracher gegen Deutschland eine Machtdemonstration nach Milton Keynes. 4:0 gegen Südkorea, und dabei wurde Heung-min Son erst in der 66. Minute eingewechselt – als die Messe längst gelesen war.

Dfb-gruppengegner spielt sich in form

Dfb-gruppengegner spielt sich in form

Evann Guessand traf nach 35 Minuten mit einem Lupfer aus acht Metern, Simon Adingra legte noch vor dem Pausenpfiff nach. Die Tore zwei und vier waren keine Kunstwerke, sondern Ausdruck von Rohtechnik: Martial Godo schob ein Rebound ein, Wilfried Singo verwandelte einen Elfmeter nach Video-Beweis in der Nachspielzeit. Die Statistik dahinter: 17 Torschüsse, 61 Prozent Ballbesitz, null Gegentor – ein Komplettspiel, wie man es in der Gruppenphase braucht.

Was für Hans-Jörg Butt und das DFB-Analystenteam zählt: Die Ivorer laufen bereits in einem 4-3-3 mit zwei Sechsern, das Jean-Louis Gasset seit Januar drillt. Die Umstellungen wirken automatisiert, die Laufwege sind nicht mehr improvisiert. Südkorea wirkte dagegen wie eine Mannschaft, die ihren Manager Jürgen Klinsmann erst seit drei Monaten kennt – was auch stimmt.

Bei den Deutschen warnt jetzt keiner mehr vor „exotischen Afrikanern“. Die Elfenbeinküste hat in den letzten 14 Monaten nur ein Spiel verloren, jenes gegen den späteren Afrika-Cup-Sieger Senegal. Die Bundesliga-Fraktion um Bazoumana Touré (Hoffenheim) sitzt zwar aktuell auf der Bank, rückt aber bei jeder kleinen Schwäche sofort nach. Touré, 19, erzielte in der laufenden Saison sieben Scorerpunkte in 1.076 Minuten – ein Wert, den Lee Jae-Sung und Jens Castrop in Mainz und Gladbach in 2.100 Minuten gemeinsam nicht erreichen.

Der Termin am 20. Juni im BMO Field von Toronto rückt damit in eine neue Bedeutung. Deutschland gewann zwar zuletzt in Frankfurt mit 2:1, aber das war ein Freundschaftsspiel ohne Franck Kessié und ohne Seko Fofana. Beide laufen jetzt wieder mit, beide sind in Topform. Wer denkt, die Gruppe mit Ecuador und dem WM-Debütant Curacao sei ein Selbstläufer, unterschätzt die Tatsache, dass die Elfenbeinküste seit 2012 kein WM-Gruppenspiel mehr verloren hat.

Die deutsche Analyse wird sich drehen um die Frage: Wie früh kann man Kessié entzaubern? Wie tichtig ist die Vorwände um Odilon Kossounou, der in Leverkusen gelernt hat, Flügelzug zu stoppen? Und wer trägt in Nagelsmanns System die Verantwortung, wenn Joshua Kimmich auf der Sechser-Position gleichzeitig zwei Ivorer am Fuß hat? Die Antworten hat der Bundestrainer noch 86 Tage Zeit. Die Elfenbeinküste nutzt jede einzelne Trainingseinheit, um sie zu verkomplizieren.