Eibar schreibt geschichte – 43 aus 60 punkten reichen vielleicht nicht

43 von 60 möglichen Punkten in der Rückrunde – ein Klubrekord, der alles in den Schatten stellt. Doch am Sonntag in Castellón könnte genau diese Galaxienleistung trotzdem reichen, um SD Eibar vor die Tür der Play-offs zu setzen.

Von abstiegsangst zu rekordjagd

Beñat San José musste im Winter noch über mögliche Abstiegsdramen sprechen. Heute lacht er nur noch müde, wenn jemand die Tabelle zückt. Seine Mannschaft drehte die Saison nach der Winterpause auf wie ein Uhrwerk: zwölf Siege, sieben Remis, nur eine Niederlage. Die 43 Punkte sind die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte – besser als die 41 Zähler, mit denen Eibar nach dem ersten Abstieg 2018 die 80-Punkte-Marke knackte.

Doch die Zweite Liga ist dieses Jahr ein Moloch. Die 70 Punkte, die bei einem Erfolg in Castellón drin wären, reichten 2011/12 Almería nicht für Rang sechs. Córdoba landete damals bei 71 – und feierte Play-off-Ticket. Die Parallele nagt an San José: „Wir haben alles rausgeholt, was geht. Wenn das nicht reicht, können wir trotzdem stolz sein, aber es würde wehtun.“

Ein fußballmärchen mit offenem ende

Ein fußballmärchen mit offenem ende

Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache. 70 Punkte in Spanien bedeuten seit 15 Jahren fast immer mindestens Rang fünf. Nur einmal – eben jene Almería-Story – schaffte es ein Team, diese Marke zu knacken und trotzdem draußen zu bleiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass Eibar am Ende leer ausgeht, liegt aktuell bei 35 Prozent. Die Tabelle ist so dicht wie eine U-Bahn im Berufsverkehr.

Die Ironie: Der Verein, der sich nach dem Abstieg 2021 mit abgespecktem Kader neu erfand, spielt nun besser als je zuvor. Sportchef Fran Garagarza stellte mit Mikel Marino, Jon Bautista und Stoichkov Leihkräfte zusammen, die zusammen weniger kosten als ein einzelner Bankdrücker in der Primera. San José schaffte es, aus dieser Mischung eine Maschine zu bauen, die seit Februar jeden Gegner überrennt.

Am Sonntag in Castellón geht es also nicht nur um drei Punkte. Es geht um eine Frage der Gerechtigkeit. Kann ein Verein, der alles übererfüllt, vor die Tür gesetzt werden? Die Antwort entscheidet sich zwischen dem 1. und 93. Minutezeiger. Eibar hat seine Hausaufgaben gemacht. Jetzt muss das Fußball-Los entscheiden, ob das reicht.