Eibar jagt das noble-ticket: 72 stunden, 6 punkte, ein kader auf messers schneide

Der SD Eibar hat die Play-offs noch nie so deutlich riechen können wie jetzt. Nach dem Ausruf gegen Las Palmas schlägt das Pendel zwischen Aufstieg und Alltag nur noch einmal durch – und es tickt lauter als je zuvor.

San josé rotiert, weil er muss

Mitte der Woche rollt der Bus Richtung Anoeta, am Sonntag steht Ceuta vor der Tür. Drei Tage, zwei Schlachten, kein Millimeter Luft. Trainer José Luis Mendilibar hat seinen Stab schon vor Wochen auf „Marathon-Modus“ geschaltet, doch jetzt wird die Frage knallhart: Wer läuft 180 Minuten, wer nur 90? Die Antwort steht in der Kabine und lautet Rotation.

Die Personaldecke ist dicker geworden, seit Jon Bautista seine Muskulatur wieder spürt und Lander Olaetxea die Maschine nicht nur vom Sofa lenkt. Gegen Las Palmas saßen beide – strategisch. Gegen Sanse werden sie wahrscheinlich von Anfang an das Tempo bestimmen. Bautista könnte neben Martón auflaufen, ein Duo, das in Andorra schon für den entscheidenden Doppelschlag sorgte. Olaetxea dürfte im Zentrum die Fäden ziehen und Sanse-Playmaker Sola die Sicht nehmen.

Die Statistik lügt nicht: Adu Ares trifft auswärts doppelt so oft wie daheim. Für ihn ist das Donnerstagsspiel eine Bühne, nicht einfach nur Einsatz. Ebenso Álvaro Rodríguez, der Jair oder Arbilla Luft verschaffen soll. Die Frage ist nicht, ob er spielt, sondern wie lange Nolaskoain neben ihm die Kommandos übernimmt, bevor der Kapitän wieder eintrifft.

Der mythos vom tiefen kader

Der mythos vom tiefen kader

Mendilibar lacht nicht, wenn Journalisten von „Breite“ sprechen. Er weiß: Ein Kader ist nur so tief, wie seine Krankenstation leer ist. Javi Martínez kehrte aus dem Muskelbündel-Training zurück und fordert Minuten. Seine Präsenz allein entlastet Bigas in der Luft, wo Sanse 46 % seiner Tore köpft. Ceuta wiederum läuft über die Flügel – genau die Zone, in der Rober Correa bislang 73 % seiner Sprintleistung ablieferte. Wer dort pausiert, darf nicht nachlassen.

Die Lösung heißt Minutengewicht. Kein Spieler wird geschont, jeder wird getaktet. 200 Minuten in drei Tagen verteilt sich auf 14 Schultern, nicht auf elf. Das gab es in dieser Dichte selbst in der Aufstiegssaison 2013/14 nicht. Der Unterschied: Diesmal ist kein Diego Ifrán da, der ein Tor einfach „mal so“ macht. Stattdessen zählt jede Ablage, jeder zweite Ball, jeder Meter, den Luca Zidane mit der Hand abtastet, bevor er abspielt.

Die Rechnung ist simpel: Sechs Punkte bedeuten Vorsprung auf Platz sieben vor dem Spätherbst. Vier Zähler würden reichen, um weiter zu träumen. Zwei – und das Play-off-Fieber kippt wieder in die alte November-Frustration.

Mendilibar wird seine Aufstellung erst 45 Minuten vor Anpfiff auf den Tisch knallen. Bis dahin schwirrt die Zahl 72 durch den Katakomben-Korridor: Stunden, nicht Tage. Danach wissen wir, ob Eibar bereit ist, sich selbst zu übertreffen – oder ob die Saison doch nur ein Herbst-Märchen bleibt.