Egloff entthront holdener und krönt sich zum zweiten mal
Selina Egloff fuhr am Samstag in Arosa nicht einfach zwei Slalomläufe – sie fuhr Wendy Holdener aus dem Thron. Mit 41 Hundertsteln Vorsprung verwies die 24-jährige Bündnerin die Favoritin auf Platz fünf und verteidigte souverän ihren Schweizer Meistertitel.
Der tag, an dem der favoritensturm versiegte
Schon nach dem ersten Durchgang lag Egloff vorne, doch wer Holdeners Comeback-Kraft kennt, rechnete weiter mit der Schwyzerin. Es kam nicht. Egloff zog im zweiten Lauf noch eine Schüppe drauf, während Holdener 84 Hundertstel zurückblieb – zu viel, um auch nur das Podest zu erreichen. Bronze teilen sich diesmal Eliane Christen und Aline Höpli, die im Ziel exakt dieselbe Zeit hatten und sich erschrocken ansahen, bevor sie lachend in den Armen lagen.
Janine Mächler rutschte als Sechste hinter Holdener ab und kassierte damit die zweite Enttäuschung des Tages. Rang sieben bis zehn gehen an Nicole Good, Lara Bianchi, Juliette Fournier und Amélie Klopfenstein – allesamt Talente, die künftig für Wirbel sorgen könnten.

Was die zahlen nicht zeigen
Die 41 Hundertstel klingen nach klarem Vorsprung, doch auf der steilen Arosa-Piste bedeutet das kaum mehr als zwei Schwünge perfekterer Kante. Egloff hatte diese Kante gefunden, Holdener nicht. „Ich habe alles rausgeholt, aber heute war einficht nicht mehr drin“, sagte die Fünfte mit zittriger Stimme. Ihr Blick wanderte kurz zu Egloff, die gerade ihren zweiten Meisterkranz über den Kopf zog. Kein Neid, nur Respekt – und der feste Vorsatz, in zwölf Monuten zurückzukommen.
Für Egloff war es der zweite Schweizercup-Sieg in Serie, doch dieser hier zählt doppelt. „Titel zu verteidigen ist härter, als ihn zu holen“, sagte sie. Die 24-Jährige fuhr souverän, aber nicht risikofrei. Genau das macht ihre Leistung aus: Sie schraubte sich nicht fest, sondern blieb flexibel, wo andere nur noch reagieren.

Die saison ist vorbei, die fragen bleiben
Die Schweizer Slalom-Damen verabschieden sich mit einem Paukenschlag in die Sommerpause. Ob Holdener ihren 12. Titel jemals nachholen kann, wird die Vorbereitung zeigen. Egloff jedenfalls hat bewiesen, dass sie nicht nur einmal Glück hatte – sie ist angekommen ganz oben. Wer im nächsten Winter auf die Piste blickt, wird zwei Namen im Blick behalten: die Verfolgerin mit der Startnummer eins und die Titelverteidigerin, die bewiesen hat, dass Druck sie schneller macht.
