Dzeko, 40, zielt auf italiens wm-traum – und auf pepe’s rekord
Edin Dzeko schoss Bosnien gestern in Wales mit dem Kopf ins Elfmeterspektakel, heute schießt er mit Worten nach Mailand: „Italien ist der Favorit, aber wir haben 90 Minuten, sie zu ärgern.“ Das Play-off-Finale am Dienstag in Zenica ist für den 40-jährigen Stürmer ein Déjà-vu mit Vorstellung: acht Jahre Serie A, 152 Tore, drei Klubs – und nun will er der „alten Heimat“ die WM wieder versauen.
Warum italiens defensive vor dzeko zittert
Gennaro Gattuso warnt seine Abwehr im Team-Hotel bereits per Video: Dzeko startet wie ein SUV, springt wie ein SUV, landet wie ein SUV. In der Quali traf er sechsmal, mehr als jeder andere Europäer über 35. Sandro Tonali weiß, wofür der Bosnier steht: Im Mai 2023 schoss Dzeko Milan in der Champions-League-Halbfalle aus dem Wettbewerb. „Er braucht keine zwei Chancen, er braucht einen Millisekunden-Fehler“, sagt Tonali. Italiens letzte WM-Teilnahme liegt 2014 zurück; das Land zittert vor dem Aus, das ebenso historisch wäre wie Dzekos möglicher Rekord: ältester europäischer WM-Torschütze aller Zeiten.
Der Schalker Himmel hilft ihm dabei. Seit seinem Winterwechsel in die 2. Liga erzielte Dzeko in acht Spielen sechs Treffen – Quote 0,75 pro 90 Minuten, besser als in seiner Rom-Zeit. Zweitliga-Defensivreihen hassen seine Bewegungsabläufe, weil er sie vorher denkt. Nationaltorhüter Nikola Vasilj lacht: „Wenn Edi in der Box steht, schaue ich lieber zum Schiedsrichter, damit ich nicht mitkriege, wie er die Maschen zerreißt.“

Italiens versteckte angst vor zenica
Das Bilino-Polje-Stadion bietet 15.600 Plätze, klingt wie ein Dorf, wirkt wie ein Kessel. Der Kunstrasen ist schnell, die Tribüne eng, der Gegner laut. Italiens Analyse-Abteilung hat Daten: Bosnien verlor hier erst einmal in den letzten 31 Heimspielen. Die Azzurri flogen vor zwei Tagen mit Sondermaschine nach Sarajevo, fuhren dann mit Polizeieskorte 70 Kilometer durch die engen Täler. Die Spieler mussten die Fenster schließen – nicht wegen des Windes, sondern wegen der Lautsprecherwagen bosnischer Fans, die schon vor dem Hotel „Radon Plaza“ Choräle probten.
Die italienische Presse spricht von „Schicksalsfinale“. Die bosnische spricht von „Dzekos Finale“. Tatsächlich könnte Bosnien nach 2014 die zweite WM erreichen, während Italien die dritte in Folge verpassen würde. Für die Squadra Azzurra wäre das ein Erdbeben; für Dzeko nur die logische Konsequenz aus einem Leben zwischen beiden Welten. Er sagt: „Ich liebe Italien, aber ich liebe es mehr, wenn ich dort Tore schieße.“
Am Dienstag um 20.45 Uhr steht er erneut in der Box, Italiens Verteidigung atmet kurz, der Ball kommt – und dann entscheidet wieder ein Kopf, eine Sekunde, ein Rekord. Es wäre typisch Dzeko: spät, laut, unbequem.
