Durán: vom bayern-schreck zum russischen niemandsland – was ist passiert?

Jhon Durán. Der Name weckte vor Kurzem noch Begehrlichkeiten in ganz Europa, sorgte mit seinem Tor für Aston Villa gegen den FC Bayern für Schlagzeilen und schien auf dem besten Weg in die Weltspitze zu sein. Nun hat der 22-Jährige es nicht einmal mehr in den kolumbianischen WM-Kader geschafft – ein unfassbarer Fall, der die Frage aufwirft: Hat der talentierte Stürmer sich selbst zerstört?

Der blitzstart und der fc bayern-flirt

Es begann vielversprechend. Im Januar 2023 kam Durán von Chicago nach England, und seine Leistungen bei Aston Villa waren beeindruckend. Zehn Tore in 28 Spielen in der Hinrunde der Saison 2024/25 sprachen für sich, und sein Treffer beim 1:0-Sieg gegen den FC Bayern in der Champions League am 2. Oktober 2024 katapultierte ihn in den Fokus europäischer Top-Klubs. Der junge Kolumbianer schwärmte offen vom FC Bayern: „Es ist einer der Vereine, die ich immer gesehen habe und bei dem ich gerne spielen würde.“ Die Anzeichen deuteten auf eine große Karriere hin.

Doch dann kam Al-Nassr. Der Coup für 77 Millionen Euro im Januar 2025 sollte Duráns Karriere katapultieren. Stattdessen fand er sich in einer saudischen Liga wieder, in der er mit Cristiano Ronaldo, Sadio Mané und Kingsley Coman zusammenspielen sollte. Sportlich war der Wechsel eine Katastrophe: Zwei Tore in 18 Spielen – eine bittere Bilanz für einen Mittelstürmer.

Querelen und exkursionen: ein leben auf abwegen

Querelen und exkursionen: ein leben auf abwegen

Es gab Gerüchte über ungewöhnliche Lebensvorstellungen in Saudi-Arabien. Demnach erwog Durán, nicht in Saudi-Arabien, sondern im benachbarten Bahrain zu leben und die tägliche Strecke zum Trainingsgelände per Privatjet zurückzulegen – angeblich aufgrund der strengen Gesetzeslage Saudi-Arabiens im Umgang mit unverheirateten Paaren und der Beziehung zu seiner Freundin. Dieser Vorfall unterstrich das Gefühl, dass Durán sich in der Wüste nicht wohlfühlte.

Nach nur einer halben Saison ging es per Leihe zu Fenerbahce Istanbul. Auch unter Star-Trainer José Mourinho gelang es Durán nicht, sein Potenzial abzurufen. Ein Ausgleichstor im Derby gegen Galatasaray, gefolgt von einer provokanten Geste in Richtung der gegnerischen Fans, sorgte für weitere Schlagzeilen und eine Strafanzeige. Fünf Tore in 21 Spielen reichten nicht für eine Verlängerung des Leihgeschäfts.

Die Reise ging weiter nach Russland zu Zenit St. Petersburg – der sechste Verein in seiner noch jungen Karriere. Neun Einsätze und zwei Tore: auch hier war Durán weit entfernt von seiner Prime. Letztendlich fehlte er aus „persönlichen Gründen“ im Kader. Er kehrt nun zu Al-Nassr zurück, wo er noch einen Vertrag bis 2030 besitzt. Seine Rolle dürfte sich dort aber kaum verbessert haben.

Die wm-enttäuschung und die frage nach der zukunft

Die wm-enttäuschung und die frage nach der zukunft

Durán hatte sich als Hoffnungsträger für die kolumbianische Nationalmannschaft etabliert und war Teil des Kaders, der sich für die Copa América 2024 qualifizierte. Er war auch im erweiterten Kader für die WM in den USA, Kanada und Mexiko, doch letztlich blieb ihm der Platz im Team verwehrt. Die Nicht-Nominierung ist ein weiterer Tiefpunkt in einer Karriere, die von Höhen und Tiefen geprägt ist.

Die Karriere von Jhon Durán ist ein Lehrstück darüber, wie schnell sich ein vielversprechender Start in eine Achterbahnfahrt verwandeln kann. Es ist nicht die äußere Umstände – die saudische Liga, der Wechsel nach Istanbul, Russland – sondern vor allem Durán selbst, der seinen eigenen Weg versperrt. Ob er es schafft, seine Talente wieder zu bündeln und seinen Karrierepfad neu auszurichten, bleibt abzuwarten. Denn eines ist klar: So, wie er spielte, wird er keine Weltmeisterschaft erreichen.