Dsv-trio nagelt weltspitze ans kreuz: gratz, grammel & stockinger zeigen die zähne

Fabian Gratz war in Lillehammer nur vier Hundertstel vom Podest entfernt – und trotzdem lacht er. Der Grund: Zum ersten Mal seit Alexander Schmids Alta-Badia-Coup 2021 wittern drei deutsche Slalom-Krieger gleichzeitig den Sprung aufs Treppchen. Ein Trio, das sich selbst finanzierte, sich gegenseitig schubst und nun die Alpen-Kartelle erschüttert.

„Wir haben die bremse rausgeschmissen“

Gratz‘ Worte klingen wie ein Kampfschrei. Sechs Jahre Weltcup, drei davon außerhalb der Punkte, dafür jetzt fünf Top-10-Plätze in Folge. Die Wende kam, als er, Anton Grammel und Jonas Stockinger beschlossen, außerhalb des DSV-Mainstreams zu trainieren. Eigenes Budget, eigene Trainer, eigene Regeln. „Wir haben die Bremse rausgeschmissen“, sagt Gratz. Die Devise: Wer zuerst kapituliert, bezahlt die nächste Trainingseinheit. Ein System, das funktioniert.

Stockinger fuhr in Lillehammer trotz eingeklemmten Nervs Elfter – und das, nachdem er sonntags noch auf dem Zimmer lag. Grammel wurde Siebter, seine beste Platzierung überhaupt. Die Quittung für 15.000 Euro Saisonkosten, die er privat aufbrachte. „Ich habe mir jeden Cent umgeschnallt“, sagt er. Die Investition arbeitet sich jetzt in Weltcup-Punkten ab.

Der deutsche slalom schält sich aus dem winterschlaf

Der deutsche slalom schält sich aus dem winterschlaf

Die Statistik ist eindeutig: Vor zwei Jahren schnitt kein DSV-Herrenfahrer im Slalom unter die besten Fünfzehn. In dieser Saison landeten Gratz, Grammel und Stockinger gemeinsam zwölf Mal in den Top Ten. Die internationale Konkurrenz beginnt, die Namen auszusprechen, die sie früher nur murmelte. „Wenn einer von uns vorne ist, glauben die anderen plötzlich, dass sie es auch schaffen“, sagt Gratz. Der Selbstzweifel, jahrzehntelanges deutsches Laster, verflüchtigt sich.

Was folgt, ist ein Domino-Effekt. Die Technik-Chefs des Verbandes schicken Analysten zu den privaten Trainingslagern, die Junioren bekommen dieselben Ski, dieselben Kantenwinkel. Der DSV spült Geld zurück in die Szene – nicht als Almosen, sondern als Einsicht. „Wir haben bewiesen, dass man mit kleinem Budget groß rauskommen kann“, sagt Grammel. Die Botschaft: Der deutsche Slalom ist wieder ein Kandidat für den Pokal, nicht nur für die Quali.

Die Saison ist vorbei, der Angriff beginnt erst. In drei Monaten rollt der neue Weltcup in Sölden los. Gratz hat sich bereits einen Zettel an den Spiegel geklebt: „0,04 Sekunden.“ Die Differenz, die ihn in Lillehammer vom Podest trennte. Er wird sie jagen – gemeinsam mit Grammel und Stockinger. Die nächste deutsche Slalom-Medaille ist keine Frage mehr, sondern eine Frage von Monaten.