Dsv rast ohne bremsen in die bedeutungslosigkeit – schwaiger schreit stop
Zwei deutsche Abfahrer in Courchevel, keiner vorne mit dabei. Das ist kein Ausrutscher, das ist der neue Normalzustand. Christian Schwaiger, Cheftrainer der Speed-Herren, spricht es aus, was viele befürchten: Wir haben ein Systemproblem.
Die lücke wächst jeden winter
Vor drei Jahren starteten noch vier Deutsche in der Abfahrt der Heim-WM. Thomas Dreßen, Josef Ferstl, Romed Baumann, Andreas Sander – ein Kader mit Tiefe. Jetzt? Simon Jocher und Maximilian Schwarz kämpfen allein gegen die Uhr und gegen die Frage, warum der Nachwuchs nicht nachrückt. Luis Vogt, großer Hoffnungsträger, liegt mit Kreuzbandriss flach. Dreßen und Ferstl haben abgedankt, Baumann nach Garmisch den Stöckchen in den Schnee gesteckt. Sander fehlt krankheitsbedingt. Der deutsche Speed-Ski rasiert sich selbst.
Schwaiger sieht das Drama klar. Er muss es sehen, schließlich wartet er seit zwei Jahren auf Verstärkung. „Wir brauchen extrem lange, und wir haben keine richtig gute Technik-Ausbildung“, sagt er. Was ihm unter die Haut geht: Er muss Erwachsenen beibringen, was sie mit zwölf hätten lernen müssen – Sprungkanten, Wellenlinien, Kantenwechsel. „Das ist nicht meine Aufgabe.“

Der nachwuchs kommt verspätet und unvorbereitet
Felix Neureuther nimmt den Ball auf und schmettert ihn zurück. „Du kannst nicht, wenn du einen Fußballverein trainierst, den Kindern zuerst mal beibringen, wie man die Schuhe bindet.“ Die Metapter trifft mitten ins Ziel. Deutschland habe nicht die Skigebiets-Dichte der Alpenrepubliken, deshalb müsse man die wenigen Talente gezielt fördern. Dafür brauche es drei Dinge: Geld, gute Trainer, schulische Freiräume.
Oberstdorf, Berchtesgaden, Garmisch-Partenkirchen – das sind die verbliebenen Hochburgen. Dort sollen neue Leistungszentren entstehen, mit internen Schulen, mit Vollbetreuung, mit Snowflex-Anlagen für Sommertraining. Doch selbst wenn der DSV heute Geld locker macht, braucht es Jahre, bis ein zehnjähriger Racer den Weltcup erreicht. Die Lücke bleibt.
Schwaiger kündigt eine Systemanalyse an. Schnell muss sie kommen, sonst fährt Deutschland bald mit Null Läufern ins Ziel. Die Zahler sprechen schon jetzt eine deutliche Sprache: In der Speed-Gesamtwertung liegt der beste Deutsche, Jocher, auf Rang 34. Kein Podest, keine Top-Ten-Serie, keine Zukunftssicherheit.
Neureuther warnt davor, den Verband pauschal zu verdammen. „Der DSV macht für die finanziellen Möglichkeiten einen guten Job.“ Aber gute Jobs reichen nicht mehr, wenn die Konkurrenz aus dem Ausland mit Kindertrupps im Tiefschnee aufwächst und die Deutschen den Slalom erst in der Oberstufe lernen.
Die Ampel steht auf Rot. Wer jetzt nicht voll in die Infrastruktur und in die Trainerausbildung investiert, kann den Anschluss vergessen. Die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern – leider in Österreich, Italien, der Schweiz. Deutschland dagegen bremst sich selbst aus.
