Draisaitl zögert: kein klares ja zur wm – knie droht deb-debakel
Leon Draisaitl schlägt die Daumen unter die Schulterpolster, schaut auf den Boden und sagt nur: „Mal schauen.“ Mit diesen zwei Worten lässt Deutschlands bester Eishockeyspieler die gesamte Nationalmannschaft vor der WM in der Schweiz zittern.
Das 2:5 gegen Anaheim beendete nicht nur die Playoff-Träume der Edmonton Oilers – es riss auch ein Loch in das DEB-Konzept. Draisaitl, 30 Tore in dieser Saison, spielte die letzten Wochen mit einer Schiene am Knie, das ihn Mitte März fünf Spiele kostete. Jetzt steht er vor der Entscheidung: Risiko eingehen oder Pause macen.
Das debakel nimmt formen an
Ohne Draisaitl wird das Schweizer Turnier zum Geduldsspiel. Tim Stützle sagte schon ab – „eher nicht“ war seine Formulierung, was in NHL-Deutschland für „keine Chance“ steht. Moritz Seider kämpft noch mit einem Rippenbruch, Philipp Grubauer ist der einzige gesunde NHL-Akteur, der zugesagt hat. Die Verbandschefs rechnen intern mit maximal drei NHL-Importen, ein Viertel der erhofften Stars.
Die Lücke könnte Joshua Samanski füllen. Der 24-jährige Center aus Hamburg ist Edmontons vierte Reihe entwachsen, hat in 47 NHL-Einsätzen 11 Punkte gesammelt und nie zuvor den Sprung in eine deutsche Großraumkabine geschafft. „Er hat die Geschwindigkeit, um internationales Tempo mitzugehen“, sagt ein DEB-Scout, „aber er ist kein Draisaitl.“
Die Deadline läuft am 10. Mai ab. Bis dahin muss Bundestrainer Harold Kreis seine endgültige Liste abgeben. In der Zentrale in München gehen die Telefone heiß, Agenten verhandeln Versicherungen, Mediziner wälzen MRT-Bilder. Draisaitls Management schweigt. Die Öffentlichkeit bekommt nur das „Mal schauen“ zu hören – ein Satz, der in dieser Woche die Stimmung in der deutschen Eishockey-Szene zwischen Hoffen und Hadern schaukelt.
Die WM startet in 14 Tagen. Deutschland trifft in der Vorrunde auf Schweden, Finnland und die Schweiz. Ohne Draisaitl wird das Turnier zu einer Berg-und-Tal-Fahrt. Mit ihm könnte es ein Kurztrip werden – wenn das Knie mitspielt. Die Entscheidung fällt in den nächsten Tagen. Bis dahin bleibt nur eins sicher: Die deutsche Hoffnung ruht auf einem Bandscheibenvlies und zwei unbestimmten Worten.
