Domen prevc schwebt in planica zwischen rekord und rettung

Ein Windstoß riss ihn aus der Flugbahn, die Zuschauer hielten den Atem an: Domen Prevc rutschte in der Probesprung-Phase über die kritische Kante von Planica und landete mit 80 Metern – 174,5 Meter vor seinem eigenen Weltrekord.

Der sturz, der keiner werden durfte

Die Szene dauerte keine drei Sekunden, reichte aber für ein kollektives Herzklopfen. Kurz nach dem Absprung drehte der Aufwind die Ski nach oben, Prevc stempte die Arme nach vorn, verlor die Balance, fing sich wieder und touchierte mit den Ski-Spitzen den Hang. 80 Meter sind für einen Mann, der hier 254,5 Meter weit flog, ein Tiefschlag. „Ich hab nur noch gedacht: Beine hoch, Körper stabil“, sagte er später, die Stimme noch leicht heiser vom Adrenalin.

Der Slowene hatte am Vortag seinen 14. Weltcup-Saisonsieg eingefahren und damit die Kristall-Kugel so gut wie sicher. Jetzt steht die Frage im Raum: riskiert er den Angriff auf die 250-Meter-Marke bei Wind, der laut Messungen Böen bis 70 km/h produziert? Die Jury verlegte den Teamwettkampf um 30 Minuten, die Athleten warten im Windfang neben der Anlaufbahn. Keiner spricht laut über die Rekordchance – alle denken an den Vorfall.

Warum planica bei sturm trotzdem weiterspringt

Warum planica bei sturm trotzdem weiterspringt

Die Antwort liegt in der Physik der Anlage. Die Flugphase beginnt hier 30 Meter höher als in Oberstdorf oder Vikersund, die Hangneigung fängt einen Teil der Auftriebskräfte ab. Trotzdem gelten drei Windfenster: bis 2 m/s Rückenwind ist alles erlaubt, bei 3 m/s wird die Gate-Höhe gesenkt, alles darüber führt zu Unterbrechung. Heute pendelte sich der Wind bei 2,8 m/s ein – genau auf dem Grat zwischen Show und Safety.

Prevc selbst schien nach der Bruchlandung weniger Sorgen zu machen als sein Servicemann, der die Ski auf Hobel und Wachs prüfte. „Der Domen ist ein Fighter, er wird wieder oben einsteigen“, sagte der Mann mit dem Akkuschrauber, aber seine Hände zitterten leicht. Die Slowenische Delegation verlangte zusätzliche Windmessungen an drei Punkten der Schanze, die Jury stimmte zu – ein kleiner Sieg der Vorsicht.

Um 9.30 Uhr Ortszeit fiel der Startschuss. Die ersten Teams setzten sich in Position, die Tribüne sang sich in Rage. Ob Prevc noch einmal auf die Platte steigt, entscheidet sich in den nächsten Minuten. Ein Detail dabei: seine Flug-Overall-Materialprobe von Freitag misst 0,8 Quadratmeter weniger Oberfläche als die der Konkurrenz – ein Millimeter Stoff, der bei diesem Wind über Sieg oder Sturz entscheiden kann. Die Saison ist gewonnen, aber der Mythos von Planica lebt davon, dass jemand die Grenze neu vermessen will. Heute könnte dieser Jemand wieder er sein – wenn der Wind mitspielt.