Djorkaeff schießt wieder – und fordert thuram heraus

Youri Djorkaeff traf gestern auf dem Place de la Concorde – 29 Jahre nach dem Fallrückzieher gegen Roma, der das Meazza explodieren ließ. Der 58-jährige FIFA-Sonderberater jagt jetzt keine Titel mehr, sondern Bildungsminister für Mini-Pitches. Doch der Blick bleibt auf Inter fixiert.

„Wer jetzt kapituliert, ist tot“

Der Franzose trainierte mit Legenden-Kollegen für die FIFA-Arena, die weltweit Kleinfelder gegen soziale Ausgrenzung errichtet. Zwischen Kindern und Kameras schlenzte er den Ball ins obere Eck – und schaltete sofort auf Serie A. „Die Inter-Spieler dürfen den Kopf nicht hängen lassen, nur weil die Champions League weg ist. Die Meisterschaft liegt noch in ihrer Hand“, sagt er knapp.

Dabei spricht Djorkaeff Marcus Thuram direkt an. „Er hat Qualität, aber er muss die nächste Stufe nehmen. Das erfordert Tore in Länderspielen, Tore in Rom, Tore, wenn Lautaro fehlt.“ Die Referenz: Djorkaeff selbst. 1996-99 lief er für Inter auf, gewann den UEFA-Pokal und bog mit einem einzigen Tor gegen Roma eine ganze Saison. „Der Schuss war wichtiger als jedes andere Karriere-Tor, weil die Leute ihn nie vergessen.“

Italiener statt importware

Italiener statt importware

Die Botschaft kommt nicht zufällig. Der ehemalige Playmaker sieht den Scudetto-Kampf als Spiegel der italienischen Misere. „Mailand ist französischer geworden, Napoli setzt auf Afrikaner, Inter zahlt Millionen für Argentinier. Aber wenn die Nazionale wieder scheitert, fehlt das Gerüst.“ Seit 2018 schaut Italien zweimal von außen auf die WM – „ein kultureller Bankrott“, sagt er.

Deshalb feuert er Pio Esposito und Ange-Yoan Bonny an. „Konkurrenz ist Medizin. Wenn Thuram merkt, dass ein 19-jähriger Italiener ihn jagt, wächst er über sich hinaus. So entsteht ein neues Gesicht für den Verein und für die Squadra Azzurra.“

Rom kommt – und mit ihr die wahrheit

Rom kommt – und mit ihr die wahrheit

Am Sonntag gastiert Roma im Giuseppe-Meazza. Djorkaeff wird vor dem Fernseher sitzen, den Kaffee kochen und seinen alten Treffer noch einmal auf YouTube klicken. „Diesmal muss Thuram den nächsten Fallrückzieher liefern. Sonst wird Mailan Meister.“ Die Wette: „Inter gewinnt 2:1, Thuram trifft und hält Italien wach.“

58 Jahre alt, 200 Karriere-Tore – und immer noch der erste Fan der Nerazzurri. „Wenn du einmal Inter liebst, stirbt das nie. Aber du musst jeden Tag neu beweisen, dass du es verdienst.“