Die schatten der spiele: wenn der olympiaglorie die leere folgt

Die dunkle seite des erfolgs: post-olympia-depressionen

Olympische Spiele sind der Höhepunkt einer Sportlerkarriere, ein Traum, für den Jahre harter Arbeit und Entbehrung geopfert wurden. Doch was passiert, wenn der Applaus verstummt ist und die Medaille nur noch eine Erinnerung ist? Eine neue ARD-Dokumentation wirft einen schonungslosen Blick auf die oft unterschätzte Schattenseite des Erfolgs: die Post-Olympia-Depression. Viele Athleten kämpfen nach dem größten Erfolg ihres Lebens mit Leere, Traurigkeit und sogar Schlaflosigkeit – unabhängig davon, ob sie ihre sportlichen Ziele erreicht haben oder nicht.

Esther sedlaczek beleuchtet ein tabu

Esther sedlaczek beleuchtet ein tabu

Die ARD- und BR-Moderatorin Esther Sedlaczek hat sich der Frage gewidmet, wie Athleten mit der emotionalen Leere nach Olympia umgehen und warum mentale Probleme im Spitzensport immer noch ein Tabu sind. Ihre Recherche zeigt, dass das Phänomen weit verbreitet ist und jeden treffen kann, unabhängig vom Erfolg oder Misserfolg.

Jessica von bredow-werndl: "ich bin gar nichts wert"

Jessica von bredow-werndl: "ich bin gar nichts wert"

Die Doppel-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl gewährt in der Dokumentation einen sehr persönlichen und emotionalen Einblick in ihre Gefühlswelt. Sie beschreibt, wie sie sich nach dem Erfolg in Tokio plötzlich wertlos fühlte: "Olympia ist das Höchste, was wir erreichen können. Und nach dem Hoch kann man natürlich auch tief fallen, weil viele sich danach denken: Ja und jetzt? Ich habe noch nie in meinem Leben so eine Leere gespürt wie da. Am Peak meines Sportlerlebens angekommen, sitze ich da und habe das Gefühl gehabt, ich bin eigentlich gar nichts wert.".

Ricarda funk: die frage nach dem sinn

Ricarda funk: die frage nach dem sinn

Auch Kanutin Ricarda Funk kennt diese Gefühle nur zu gut. Nach ihrem Olympiasieg in Tokio 2021 verpasste sie in Paris 2024 knapp eine Medaille, was zu einem tiefen mentalen Loch führte. Sie stellte sich die Frage: "War es das alles wert? Ist es das alles wert, was ich da reinstecke, nur dass man im Endeffekt am Ende vielleicht diese eine Medaille gewinnt?". Sedlaczek begleitet Funk auf ihrem Weg aus diesem Tief und versucht, das Tabu rund um psychische Probleme im Spitzensport aufzubrechen.

Axel jungk spricht offen über druck und angst

Axel jungk spricht offen über druck und angst

Skeletone-Fahrer Axel Jungk, der in Mailand und Cortina an seinen dritten Olympischen Spielen teilnimmt, betont die Wichtigkeit, offen über mentale Herausforderungen zu sprechen. Er glaubt, dass viele Athleten aus Angst vor Konsequenzen schweigen. Er sieht es als seine Pflicht an, diese Thematik anzusprechen, gerade jetzt, kurz vor seinen Wettkämpfen.

Ein veraltetes credo: "die harten kommen in den garten"

Ein veraltetes credo: "die harten kommen in den garten"

Der ehemalige Skisprung-Experte Sven Hannawald kritisiert das traditionelle Credo "Die Harten kommen in den Garten" als überholt. Er betont, dass sich die Einstellung zur mentalen Gesundheit in der jüngeren Generation verändert und dass es wichtig ist, offen über Probleme zu sprechen und Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ein wichtiger schritt zur enttabuisierung

Esther Sedlaczek fasst zusammen: "Wenn Sportlerinnen und Sportler aus Angst vor Konsequenzen sagen, es sei manchmal besser zu schweigen, ist es höchste Zeit, dass wir genauer hinschauen. Diese Dokumentation ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Offenheit, Ehrlichkeit und echter Unterstützung." Die Dokumentation beleuchtet die Erfahrungen von weiteren Athleten wie Judoka Anna-Maria Wagner und bietet Einblicke von Sportpsychologen und Vertretern von Athletenorganisationen.

Die Dokumentation "Die Last der Spiele - Druck. Leere. Post-Olympia-Depression" ist ab sofort in der ARD Mediathek verfügbar.