Diamanti über Serie-B-Debüt: „Ich lebte wie ein König in Australien, aber hier braucht man gesunden Wahnsinn“

Cesenas neuer Trainer Alessandro Diamanti spricht über seine Fußballphilosophie und sein bevorstehendes Debüt in der Serie B.

„Formationen existieren nicht mehr; man braucht Mut. Technik hilft, aber am Ende muss man seinem Bauchgefühl vertrauen. Wenn man ein Spiel verliert, aber gut gearbeitet hat, sollte man einem das Lächeln nicht nehmen dürfen.“

Von Prato über die Nationalmannschaft bis zur Trainerbank

Diamantis Weg begann in Prato, führte ihn in die italienische Nationalmannschaft, dann nach England, China und Australien. Nun steht er vor seinem ersten Spiel als Trainer von Calcio Cesena. Seine Abschlussarbeit an der Coverciano-Trainerakademie trägt den Titel „Gesunder Wahnsinn“ – das definiert er als „die Notwendigkeit für jeden Profi, durch das Spiel die Leidenschaft auszudrücken, die ihn auf dieses Niveau gebracht hat“.

„Ich bereite mich mit dem Mut vor, die Leidenschaft in einem Kontext am Leben zu erhalten, der dazu neigt, sie zu ersticken“, sagt der 39-Jährige.

Über den Wechsel nach Cesena und seine Trainervorbilder

Über den Wechsel nach Cesena und seine Trainervorbilder

Auf die Frage, ob Cesena die „verrückte“ Entscheidung getroffen habe, antwortet er trocken: „Das sollten Sie mich nicht fragen. Ich hatte andere Möglichkeiten, also waren mehrere Vereine an diesem ‚Wahnsinn‘ interessiert.“

Als Spieler habe er sich hochgearbeitet und sei vorbereitet in die Serie A gekommen. Nun habe er seine Trainerkarriere beschleunigt: „Ich bin seit 1989 auf Fußballplätzen, habe in jeder Liga der Welt gespielt. Und ich studiere viel; ich bin neugierig.“

Er habe sich intensiv mit Pep Guardiola, Carlo Ancelotti und Jürgen Klopp beschäftigt. „Menschliche Beziehungen sind in jedem Job von höchster Bedeutung. Die Fußballwelt ist gnadenlos und entmenschlicht; man muss sie verteidigen und bewahren. Und es sind die Spieler, die den Trainern das Leben retten.“

Vor einem Jahr habe es die Möglichkeit gegeben, mit Guardiola zusammenzuarbeiten, „aber dann traf er andere Entscheidungen“. Ein besonderer Einfluss sei Fabrizio „Paolone“ Bisoli gewesen, sein Mentor in Prato: „Er gab mir Sicherheit und machte mir klar, was es bedeutet, Profi zu sein.“

Spielphilosophie: Mut statt Formationen

Spielphilosophie: Mut statt Formationen

Welches System er implementieren werde? „Ich variiere sehr; ich mag aggressiven und proaktiven Fußball. Es geht nicht um Formationen, die es nicht mehr gibt, sondern um Prinzipien.“

In der letzten Serie-B-Saison seien die mutigsten Teams und Trainer weit gekommen. „Ich war immer ein Kämpfer und ein kreativer Spieler; Mut darf nie fehlen: Wer ihn nicht hat, wird nicht für mich spielen.“

Zur Technologie sagt er: „Wie meine Großmutter sagte: ‚Alles hilft der Brühe.‘ Alles hilft, aber am Ende muss man seinem Bauchgefühl, seinem ‚Augenmaß‘ vertrauen. Eine Statistik kann helfen, aber es sind die Gefühle, die alles verändern.“

Sein Fazit: „Gesunder Wahnsinn ist die Struktur, die die Leidenschaft befreit, nicht erstickt. Der Fußball neigt dazu, einen in einen Käfig zu sperren. Ich habe meine Karriere nicht voll auskosten können, weil ich mich an gewisse Dinge gewöhnte; stattdessen braucht man immer…“