Deutschlands sledge-crash: 0:13 gegen usa – das 20-jahr-comeback wird zur demontage
Mailand – Was für ein Debakel. Kaum wieder auf der großen Bühne, schon wieder runter. Die deutsche Sledge-Nationalmannschaft kassierte beim 0:13 gegen die USA die zweite Klatsche innerhalb von 48 Stunden und ist vorzeitig raus aus dem Rennen um die Medaillen. Die Sirene war noch nicht einmal verklungen, da stand schon fest: Die Reise geht nur noch um Rang fünf bis acht weiter.
Declan Farmer brauchte 58 Sekunden, um klarzumachen, wer hier die Halle beherrscht. Der 28-jährige Tampa-Torjäger bugsierte den Puck aus spitzem Winkel zum frühen 1:0, legte zwei Minuten später nach, traf noch vor der ersten Pause zum 3:0 – und das war nur der Startschuss für eine Schießparty, wie sie selbst in der Para-Welt selten ist. Farmer, Eustace, Beasley, Wallace, Bolton – sie alle schraubten das Ergebnis in die Höhe, als hätte jemand den Schwierigkeitsregler auf „Anfänger“ gestellt.
Amateur-alltag gegen profi-maschinerie
Der Unterschied ist nicht nur auf dem Eis sichtbar. In den USA laufen die Sledger auf Gehalt, trainieren zweimal täglich, haben Videoanalysten und Sportwissenschaftler im Gepäck. Die deutschen Akteure? Sie stehen morgen wieder am Band, hinter dem Schalter, in der Werkstatt. Feierabendtraining nennt das Teammanager Sascha Korn das. Es klingt nach Härte, ist aber blanker Realismus. Die Gegner sind Profis, Deutschland schickt Enthusiasten.
Bundestrainer Peter Willmann wehrte sich nach der Partie gegen den Vorwurf des „alles oder nichts“-Turniers. „Wir wussten, dass wir hier lernen, nicht siegen“, sagte er mit fester Stimme. Dennoch: Die 0:25-Torebilanz nach zwei Spielen schmerzt. Und sie offenbart eine Lücke, die nicht mit Motivation oder Kampfgeist zu schließen ist, sondern mit Geld, Struktur und Zeit.

Italien wird zur schicksalsspiel – um ansehen
Am Dienstag (10.05 Uhr) geht es gegen Gastgeber Italien. Formal geht es um Platz fünf, emotional um das letzte Stück Würde. „Wir wollen zeigen, dass wir mehr können als Nullen hinten anhängen“, sagte Kapitän Joerg Trippen. Die Italiener verloren ebenfalls ihre ersten beiden Spiele, aber mit 3:9 und 2:7 deutlich knapper. Für Deutschland ist das Duell die Chance, das Gesamtbild zu korrigieren. Ein Sieg würde nichts mehr bringen – aber alles erträglicher machen.
Die Zahlen sind gnadenlos: 120 Minuten, 25 Gegentore, kein Treffer. Die Bilanz der Rückkehr nach 20 Jahren Pause liest sich wie eine Zäsur. Doch genau darin liegt die Brisanz: Erst wer die Größe der Kluft erkennt, kann sie schließen. Für den Deutschen Behindertensportbund ist das Turnier ein Spiegel, nicht das Ende. Die Diskussion um Professionalisierung dürfte nach Mailand lauter werden – und genau dafür lohnt sich das 0:13. Es ist kein Schlusspunkt, sondern ein Startschuss mit Foltercharakter.
