Deutschland verpasst fünften platz: 2:5 gegen italien - das eigentor war nur ein strohfeuer
Die deutsche Sledge-Nationalmannschaft verlässt die Paralympics 2026 mit hängenden Köpfen. Gegen Italien kassierte sie im kleinen Finale eine 2:5-Niederlage und beendet das Turnier auf Rang sechs – das schlechteste Ergebnis seit der Rückkehr nach 20 Jahren Abstinenz.
Das eigentor hätte das momentum ändern können
Die Szene des Tages war bizarr: Verteidiger Eusebio Antochi wollte den Puck zu seinem Torhüter schieben, merkte aber nicht, dass Santiano Stillitano bereits für einen Wechsel das Eis verlassen hatte. Die Scheibe kullerte ins leere Gehäuse, das 2:1 für Deutschland. Die italienische Bank schlug sich mit Handschuhen aufs Knie, die Arena kreischte. Doch der Jubel hielt nur 136 Sekunden. Christoph Depaoli glich mit einem Handgelenksschuss aus spitzem Winkel aus, und schon wieder war die deutsche Überzahl verpufft.
Die Statistik ist gnadenlos: In fünf Spielen kassierte Team D 17 Strafzeiten, fast jede zweite führte zu einem Gegentor. Die Powerplay-Quote liegt unter zehn Prozent – ein Wert, der in der Landesliga gelten würde, nicht auf der internationalen Bühne. Bundestrainer Peter Willmann sprach nach dem Abpfiff von „strukturellen Lücken, die wir in 14 Tagen nicht kitten konnten“. Die Wahrheit ist: Die Lücken sind seit Jahren offensichtlich.

Bernhard hering trifft doppelt, aber hinten bröckelt alles
Hering war’s auch, der in der zehnten Minute die Gastgeber bestrafte. Er ließ zwei Italiener mit einem Body-Feint stehen und schob cool ein. Später netzte er per Abpraller nach dem Eigentor erneut ein. Doch seine Treffer wirken wie Einzelleistungen in einem System, das keine Automatismen kennt. Wenn Felix Schrader – mit vier Toren bester DEB-Torschütze – nach der Parti sagt: „Wir haben nur noch reagiert, nie mehr agiert“, dann ist das kein Ausrutscher, sondern ein Armutszeugnis.
Die Defensive war ein Puzzle aus fehlenden Absprachen. Simon Kunst stand beim 1:1 wie ein Statist, beim 3:2 und 4:2 wiederum zu weit vor dem Kasten. Die Center ließen sich in der Zone einschließen, die Flügel konnten die Boards nicht sichern. Landeros und Rosa dankten es mit jeweils zwei Toren – und einem Lächeln, das aussagte: Wir wissen, wo die Lücken sind.

Die bilanz: ein historischer sieg und vier niederlagen
Das 4:3 gegen China nach Verlängerung wird als Sensation gefeiert, doch der Rest liest sich wie eine Blutspur: 0:12 gegen USA, 1:9 gegen Kanada, 1:4 gegen Italien in der Gruppenphase, nun 2:5 im Spiel um Platz fünf. Die Tordifferenz: 9:33. Das ist keine Pechsträhne, das ist ein Lehrstück darüber, was passiert, wenn man sich zehn Jahre lang nur auf Teilnahme statt auf Entwicklung konzentriert.
Die nächste WM findet 2027 in Seoul statt. Der DEB hat jetzt 18 Monate, um eine Kader-Reform zu wagen, die Infrastruktur der Bundesliga zu stärken und die Nachwuchskraft aus dem Nachwuchsleistungszentrum Nordrhein-Westfalen endlich zu integrieren. Sonst bleibt Rang sechs kein Ausrutscher, sondern die neue Normalität.
Die Spieler verlassen Mailand mit gebrochenen Stöcken und gebrochenen Träumen. Die Frage ist nicht, wie sie angekommen sind, sondern wie schnell sie wieder abheben wollen.
