Deutsche tischtennis-teams feiern spektakulären auftakt bei wm in london

London war Zeuge eines Furors. Die deutschen Tischtennis-Teams schlugen beim Auftakt der Team-WM gleich dreimal zu – und lieferten sich ein Drama, das selbst hartgesottene Zuschauer auf die Kante der Sitze zwang. Drei Siege, eine Niederlage, ein Ausrufezeichen gegen Japan und ein offener Brief an den Weltverband: Die Bilanz nach 24 Stunden klingt wie ein Drehbuch.

Japan-sensation und frankreich-dämpfer in einem tag

Morgens die Sensation: Dang Qiu, Dimitrij Ovtcharov und Benedikt Duda schmettern den Titelaspiranten Japan mit 3:2 nieder. Abends die Ernüchterung: Gegen Europameister Frankreich reicht es nur zu einem Satz – 1:3. „Wir haben Brandbeschleuniger und Löschrucksack in einem Match erlebt“, sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf mit schiefem Grinsen. Die Leistungsschwankung ist kein Zufall. Sie ist Folge eines neuen Turniermodus, der selbst erfahrene Strategen ratlos macht.

Die 19-jährige Annett Kaufmann spürt das auch. Nach ihrem 3:0-Sieg gegen England erinnert sie sich an ihre EM vor zwei Monaten: „Erstes Match 3:2, dann lief es. Hoffentlich wiederholt sich die Geschichte.“ Die Damen zogen souverän durchs Programm: Frankreich 3:1, England 3:0. Kein Satz verloren gegen die Gastgeber. In Wembley Arena klang jedes „Annett!“ wie ein kleines Jubiläum – schließlich feiert die WM den 100. Geburtstag des Tischtennis, begangen an eben jenem Ort, wo 1926 die erste Weltmeisterschaft stattfand.

Ittf-modus sorgt für seitenhiebe statt spielplan-klarheit

Ittf-modus sorgt für seitenhiebe statt spielplan-klarheit

Doch die Feierlichkeiten haben einen Beigeschmack. 56 Teams pro Geschlecht, 14 Vierergruppen, nur 24 K.o.-Plätze – und die Top-8 gesetzt. Wer sich ausrechnet, dass man alle Gruppenspiele verlieren und trotzdem Weltmeister werden kann, während ein perfekter 3-0-Start noch nichts garantiert, der versteht die Verwirrung. Der DTTB schickte deshalb einen offiziellen Brief an die ITTF: zu viele Matches, zu kompliziert, zu belastend. Ovtcharov pflichtet bei: „Das System ist ein Buch mit sieben Siegeln.“

Die Konsequenz: Spieler und Trainer fokussieren sich auf Einzelsiege statt Tabelle. Jeder Ball zählt doppelt, weil die Setzliste fürs Achtelfinale schon am Sonntag neu gemischt wird. Die deutschen Frauen liegen vorn, die Männer müssen gegen Schweden punkten, um nicht in die untere Setzhälfte zu rutschen. Druck? „Der Ball ist rund, die Platte auch“, sagt Kaufmann und lacht. Ihre Zahlen sprechen trotzdem Bände: 6:1 Sätze in zwei Begegnungen, 78 % erfolgreiche Aufschlagannahme, 21 Winner bei nur neun unerzwungenen Fehlern.

Die WM ist noch jung, der Modus bleibt altbacken. Doch wer drei Siege am ersten Tag feiert, baut sich ein Polster aus Selbstvertrauen, das lauter ist als jedes Regelwerk. In London zählt jetzt nur noch ein Motto: Weiter gewinnen – und die ITTF nehmen, wie sie ist. Die deutschen Teams haben den Auftakt gehört. Der Rest ist reine Schlägerei.