Desg unter druck: eisschnellläufer drohen mit abgang – kaderplätze im visier!
Erfurt – Ein heftiger Sturm braut sich in der deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Szene zusammen. Athleten des Bundesstützpunkts Erfurt, darunter das aufstrebende Talent Finn Sonnekalb, sehen sich offenbar mit Forderungen nach einem Standortwechsel – nach Inzell oder Berlin – konfrontiert, die untrennbar mit dem Verbleib im Bundeskader verknüpft sind. Die Situation eskaliert, und der Thüringer Eis- und Rollsportverband ruft zum Rücktritt des DESG-Präsidiums auf.
Druckmittel und ultimaten: was steckt hinter den vorwürfen?
Die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) steht erneut im Kreuzfeuer der Kritik. Laut Berichten des MDR sollen die Athleten bis kommenden Freitag eine neue Athletenvereinbarung unterzeichnen müssen, deren Unterschrift an die Bedingungen geknüpft ist, sich in Inzell oder Berlin zu trainieren. Ein Wechsel, der offenbar unter erheblichem Druck vollzogen werden soll. Es geht um mehr als nur den Trainingsort; es geht um die Existenzgrundlage vieler Sportler.
Hendrik Dombek, selbst ein Spitzen-Eisschnellläufer und Mitglied von Athleten Deutschland, spricht Klartext: „Athletinnen und Athleten dürfen nicht mit dem Verlust ihres Kaderstatus, ihrer Förderung oder ihrer beruflichen Absicherung unter Druck gesetzt werden. Solche Drohkulissen sind inakzeptabel.“ Die Forderung nach einem sportfachlichen Konzept, das die neuen Standorte plausibel begründet, verstärkt den Eindruck einer unüberlegten und wenig transparenten Vorgehensweise seitens der DESG.
Der Thüringer Verband wirft der DESG vor, ihre Athleten wie Angestellte zu behandeln, denen es nicht vergönnt sei, eine Diskussion über den Trainingsstandort zu führen. „Das Präsidium dient dem Sport und den Sportlern – und nicht die Sportler dem Präsidium“, so eine scharfe Stellungnahme. Die Weigerung, eine Diskussion zuzulassen und die Entscheidung als „beschlossen“ zu verkünden, stößt auf breite Ablehnung.
Auch der zuständige Thüringer Minister Stefan Gruhner hat sich eingeschaltet und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) um Unterstützung gebeten. Athleten Deutschland sieht den DOSB und die Sportpolitik in der Pflicht, einzugreifen und sicherzustellen, dass die Athleten ohne Repressalien an einer fairen Klärung beteiligt werden.
Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland, betont die Notwendigkeit einer sofortigen Beendigung dieser Vorgehensweise und verweist auf das kommende Sportfördergesetz. „Verbandsautonomie darf nicht bedeuten, dass Athletinnen und Athleten existenziell abhängig gemacht und bei berechtigtem Widerspruch unter Druck gesetzt werden“, so Herber. Das Gesetz müsse nachgeschärft werden, insbesondere im Bereich Good Governance. Die Situation in Erfurt wirft ein Schlaglicht auf die Notwendigkeit, die Rechte und Interessen der Athleten im deutschen Spitzensport zu stärken.

Ein zeichen für die zukunft des deutschen eisschnelllaufsports?
Die DESG steht vor einer Zäsur. Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass die Athleten nicht bereit sind, unkritisch Autoritäten zu folgen. Es bleibt abzuwarten, ob der DOSB und die Politik rechtzeitig eingreifen können, um eine weitere Eskalation zu verhindern und die Zukunft des deutschen Eisschnelllaufsports nicht unnötig zu gefährden. Die Forderung nach Transparenz, Fairness und Respekt für die Athleten muss nun endlich in die Tat umgesetzt werden – bevor weitere Talente den Weg nach Inzell oder Berlin antreten, widerwillig und unter Zwang.
