Desg unter druck: athleten drohen mit rücktritten – machtspiel im eissport?
Ein Sturm braut sich im deutschen Eisschnelllauf zusammen. Die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) steht vor einer Krise, nachdem sie ihre Athleten, darunter das aufstrebende Talent Finn Sonnekalb, zu einem Standortwechsel nach Inzell oder Berlin zwingen soll. Die Forderung: Eine neue Athletenvereinbarung bis Freitag, an deren Unterzeichnung der Verbleib im Bundeskader hängt. Die Situation eskaliert.

Verband unter beschuss: forderung nach rücktritt des präsidiums
Der Thüringer Eis- und Rollsportverband hat das DESG-Präsidium um Matthias Große öffentlich zum Rücktritt aufgefordert. Ein deutliches Signal der Unzufriedenheit, das die Brisanz der Lage unterstreicht. Auch Hendrik Dombek, deutscher Spitzenläufer und Präsidiumsmitglied von Athleten Deutschland, schaltet sich ein und kritisiert die Vorgehensweise des Verbands scharf. „Athletinnen und Athleten dürfen nicht mit dem Verlust ihres Kaderstatus, ihrer Förderung oder ihrer beruflichen Absicherung unter Druck gesetzt werden“, betont er. Eine klare Ansage gegen die Drohkulissen, die inakzeptabel seien.
Die Interessenvertretung deutscher Spitzensportler fordert die DESG auf, die Frist unverzüglich auszusetzen und schriftlich Zuspruch zu geben. Das Präsidium, so heißt es, diene dem Sport und den Sportlern – und nicht umgekehrt. Der Vorwurf ist gravierend: Ein Machtmissbrauch, der das Vertrauen in den Verband nachhaltig erschüttert.
Das Ausmaß der Krise verdeutlicht auch die Einmischung des zuständigen Thüringer Ministers Stefan Gruhner, der sich an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gewandt hat. Die DESG hatte in den vergangenen Monaten bereits wiederholt Vorwürfe wegen Druckausübung auf Athleten zu verzeichnen. Athleten Deutschland sieht den DOSB und die Sportpolitik in der Pflicht, einzugreifen und die Betroffenen zu schützen.
Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland, mahnt: „Verbandsautonomie darf nicht bedeuten, dass Athletinnen und Athleten existenziell abhängig gemacht und bei berechtigtem Widerspruch unter Druck gesetzt werden.“ Er setzt seine Hoffnungen in das bevorstehende Sportfördergesetz, das zwar noch „nachgeschärft“ werden müsse, aber zumindest einen Schritt in die richtige Richtung darstellt. Es geht um Good Governance, um faire Bedingungen und um den Schutz der Athleten.
Die Eisschnelllauf-Legende Ericka Pechstein übernimmt übrigens eine neue Rolle als Bundestrainerin – ein Lichtblick inmitten der aktuellen Turbulenzen, der jedoch die dringenden Reformbedarfe im Verband nicht auslöscht. Ob die DESG diesen Druck übersteht und die Athleten in ihren Entscheidungen unterstützt, bleibt abzuwarten. Die Zukunft des deutschen Eisschnelllaufs hängt davon ab.
