Deschamps versteckt sich nach frankreichs pleite – doch die zahlen entlarven ihn
Didier Deschamps warf den Stein und zog die Hand zurück. Nach dem 1:2 gegen Spanien in Dallas ließ der französische Nationaltrainer den Schiedsrichter durch den Kakao ziehen. „Glauben Sie wirklich, dass der Unparteiische dem Niveau eines WM-Halbfinals gewachsen war? Das ist eine Frage, keine Beschwerde“, polterte er in die Mikrofone. Klassische Taktik: den Fokus verschieben, statt die eigene Leistung zu analysieren.
Doch Luis de la Fuente konterte prompt. Spanien habe sich ebenfalls benachteiligt gefühlt, erklärte der spanische Coach, und prägte dabei ein treffendes Wort: das Arbitrieren sei „permissiv“ gewesen. In dieser Permissivität liegt ein Datensatz, der Deschamps' Insinuationen ad absurdum führt.
Lamine yamal: der angegriffene angreifer
Lamine Yamal ist der dribbelstärkste Flügelspieler dieses Turniers. Und genau der, dem am wenigsten zugunsten gepfiffen wird. Gegen Frankreich, wie schon gegen Belgien, reklamierte der 19-Jährige mehrere klare Fouls – der Schiedsrichter winkte ab. Über das gesamte Turnis verteilt, auf 404 Minuten Spielzeit, provozierte Yamal gerade einmal acht Fouls. Eins alle 50 Minuten. Der niedrigste Wert unter allen Spielern seines Typs.
Zum Vergleich: Jérémy Doku, der belgische Wirbelwind, wurde in 341 Minuten 18 Mal gefoult. Jude Bellingham ebenso, allerdings mit einem Spiel mehr. Michael Olise kommt auf 16, Lionel Messi ebenfalls, Mohamed Salah auf 13, Jamal Musiala auf 11, Vinícius Júnior auf 10. Die Liste spricht für sich.
Aber hier wird es wirklich brisant. Während Yamal kaum Schutz vom Schiedsrichter erhält, läuft er selbst als Täter auf. Zwölf Fouls wurden ihm bereits nachgesagt. Nach dem Halbfinale war er der viertgrößte „Sünder“ des Turniers – hinter dem Marokkaner Neil El Aynaoui (15), dem Paraguayer Andrés Cubas (14) und dem Deutschen Aleksandar Pavlović (13). Allesamt defensive Mittelfeldruinen. Bei den Technikern sieht das anders aus: Doku wurde viermal verwarnt, Messi zweimal, Musiala fünfmal, Vinícius viermal. Lucas Digne, Yamas direkter Gegenspieler im Halbfinale, fing sich gerade mal fünf Fouls ein.

Spanien härtester arbeiter – und niemand merkt es
Innerhalb der spanischen Mannschaft führt Yamal mit Abstand. Rodri und Baena kommen auf jeweils neun Fouls. Das widerlegt die These, der Junge verschwinde beim Verteidigen. Ganz im Gegenteil: Er arbeitet mit, er grätscht, er läuft – und wird dafür bestraft, während er selbst regelmäßig über den Haufen läuft.
Mit dieser merkwürdigen Bilanz tritt Yamal nun zum ersten WM-Finale seiner Karriere an. 19 Jahre jung, frisch volljährig, auf der Suche nach seinem besten Spiel im Turnier. „Er wird kommen“, hatte de la Fuente vor dem Halbfinale prophezeit. Das Szenario ist gigantisch: New Jersey, der Titelverteidiger Argentinien, ein Gegner mit harter Gangart, Erfahrung und dem unbändigen Willen, die Krone zu verteidigen.
Spanien braucht den besten Lamine Yamal. Den, der bis zu diesem Turnier immer mehr Fouls einstecken musste, als er selbst beging. Die Zahlen lügen nicht – und sie lassen Deschamps' beschönigende Rhetorik als das erscheinen, was sie ist: Ablenkungsmanöver eines geschlagenen Trainers.