Derby-aufstellung: pulisic vor nkunku, leao gesetzt

Mailand, 5. März – Das Traumpaar ist keines mehr. Pulisic und Leao zusammen auf dem Platz – diese Idee, die Allegri im Sommer so sorgfältig konstruiert hatte, liegt in Trümmern. Gerade einmal 455 Minuten haben die beiden gemeinsam gespielt, je ein Tor erzielt, und der Rest war Verletzungspech, Formtiefs und leere Tribünensitze. Jetzt steht das Derby gegen Inter vor der Tür, und die Frage ist nicht mehr, ob das Duo funktioniert – sondern wer überhaupt fit genug ist, anzufangen.

Leao ist gesetzt, der rest ist offen

Eines steht fest: Rafael Leão spielt. Der Portugiese ist in Form, trifft, wächst von Woche zu Woche. Gegen Parma stoppte ihn noch der Pfosten, beim letzten Auftritt versenkte er seinen neunten Saisontreffer – mehr als in der gesamten Vorsaison mit ihren 34 Spielen. Das ist kein Zufall, das ist ein Spieler, der endlich angekommen ist.

Neben ihm: das große Fragezeichen. Pulisic trainiert schneller als er spielt – das ist das ehrlichste Urteil, das man über seinen aktuellen Zustand fällen kann. Sein letztes Tor liegt im Jahr 2025, sein letztes komplettes Spiel datiert vom 11. Januar in Florenz. Seitdem: ausgewechselt, eingewechselt, oder neunzig Minuten auf der Bank gegen Como. In Cremona brachte er Audero einmal zum Staunen – mehr nicht. Der Staff glaubt trotzdem an ihn und will ihm Spielzeit als Therapie verschreiben. Ob das im Derby der richtige Moment dafür ist, bleibt seine eigene Frage.

Nkunku lauert, die zahlen sprechen eine klare sprache

Nkunku lauert, die zahlen sprechen eine klare sprache

Die Konkurrenz heißt Christopher Nkunku. Der Franzose lieferte zwischen Dezember und Februar fünf Tore in kurzer Zeit, zuletzt aber vier Pflichtspiele ohne eigenen Treffer. Sein einziger Beitrag in Cremona war der Assist zum Leão-Tor – sportlich wertvoll, aber kein Beweis für anhaltende Stärke. Die Zahlen: 963 Ligaminuten, 5 Tore, also ein Treffer alle 192 Minuten. Pulisic kommt auf ein Tor alle 130 Minuten bei 1.041 Einsatzminuten. Auf dem Papier gewinnt der Amerikaner. Auf dem Rasen zuletzt nicht.

Allegri schaut auf das Hinspiel zurück – und das aus gutem Grund. Der knappe Sieg im November-Derby entstand aus einer blitzschnellen Kontersituation: Fofana gewann den Ball im Mittelfeld, kombinierte mit Leão, Saelemaekers legte ab, Pulisic traf nach einer kurzen Abwehr von Sommer. Genau das will der Coach wieder. Schnelle Umschalter, die Abwehrketten zerschneiden, bevor der Gegner reagieren kann. Kein Ballbesitzfußball, kein Abwarten. Stiche.

Defensive umstellungen durch verletzungspech

Defensive umstellungen durch verletzungspech

Nicht nur im Angriff gibt es Fragezeichen. Das Aus von Matteo Gabbia zwingt Allegri zur Umstellung: De Winterübernimmt und bringt drei Startelfeinsätze in Serie als Empfehlung mit. Links ist Bartesaghi fraglich – ein Muskelproblem am rechten Oberschenkel, die Tests laufen noch. Fällt er aus, rückt Estupinan vor. Gestern erschien auch Loftus-Cheek wieder auf dem Trainingsgelände in Milanello – ein kleines Signal, mehr nicht.

Dass Füllkrug von Anfang an spielt, gilt als unwahrscheinlich. Der Stürmer wäre ein anderer Spielertyp, ein anderes Spielkonzept – und genau das will Allegri im Derby nicht. Keine langen Bälle, keine zweiten Bälle. Tempo, Tiefe, Konter. Die Strategie ist klar. Wer sie umsetzt, entscheidet sich spätestens am Spieltag – aber die Richtung steht: Pulisic vor Nkunku, Leão dahinter, und das Mittelfeld als Motor für Umschaltmomente, die Inter schon im Hinspiel nicht lösen konnte.