Der mann, der aus der armut traf: quiñones' unglaublicher weg zum wm-tor
Ein Tor, das die Welt in Staunen versetzte: Julián Andrés Quiñones, der Mann, der das erste Tor der WM in Mexiko gegen Südafrika erzielte, stammt aus einer der ärmsten Regionen Kolumbiens. Sein Aufstieg ist eine Geschichte von unbändigem Willen, unermüdlicher Arbeit und dem Traum vom Fußball – ein Traum, der ihm den Weg aus der Hoffnungslosigkeit bahnte.
Ein leben zwischen armut und gewalt
Quiñones wurde in Magüi Payán geboren, einem abgelegenen Ort nahe der peruanischen Grenze, wo die Optionen begrenzt sind. Wie ein Bewohner in einer Dokumentation der ESPN Mexiko treffend formulierte: „Entweder Fußballer, Guerillero oder Drogenhändler.“ Eine trostlose Realität, die durch Armut und Gewalt geprägt ist. Als die Masacre von 2017 stattfand, war Quiñones bereits aus dieser Region verschwunden, doch seine Mutter, Gloria, blieb zurück. Sie gab ihm beide Nachnamen, da sie seinen Vater nie kannte, und kämpfte mit seiner Großmutter darum, ihn und seine drei Schwestern zu ernähren. Die Umstände waren hart, aber Quiñones klammerte sich an seinen Traum.
„Es war schwierig“, erinnert sich seine Mutter. „Manchmal braucht man einen Vater, der einen unterstützt und sagt, welchen Weg man einschlagen soll.“ In seiner Heimatregion, Nariño, existierten illegale Goldminen parallel zu geheimen Drogenlaboratorien – ein Zeugnis für die Verzweiflung und die begrenzten Perspektiven. Die Polizei schrieb stolz auf X (ehemals Twitter), 22 Infrastrukturen zur Drogenproduktion in Tumaco und Magüi Payán abgerissen zu haben. In diesem Kontext war der Traum vom Fußball mehr als nur ein Hobby, er war eine Lebensader.

Fußball als fluchtweg und hoffnungsträger
Schon als Kind träumte Quiñones davon, Fußballprofi zu werden. Er spielte mit jedem Gegenstand, den er finden konnte, bis er sich schließlich bei einer Fußballschule namens Fútbol Paz vorstellte. Mit zerrissenen Schuhen, in denen man seine Zehen sehen konnte, erzielte er in einem entscheidenden Spiel vier Tore. Der Verein, der mit den Tigres de México verbunden war, zögerte nicht lange. „Wir fragten die Jungs immer, warum sie Fußball spielen, und Quiñones hatte eine klare Antwort: ‚Ich will meine Familie ernähren!‘“
Seine Leistungen in der Liga Tigres waren beeindruckend: 15 Tore in 17 Spielen in der Apertura 2015. Sein Name wurde in den einschlägigen Sportprogrammen in Mexiko und Kolumbien immer wieder genannt. Zwar bot ihm sein Heimatland 2017 die Teilnahme an der U20-Weltmeisterschaft an, und er wurde später U21-Champion Centroamericano, doch als Kolumbien versuchte, ihn für die A-Nationalmannschaft zu gewinnen, entschied sich Quiñones anders. Das Gastland hatte ihm die Staatsbürgerschaft angeboten, und er zögerte nicht lange. „Niemand ist Prophet in seinem eigenen Land“, sagte seine Mutter im Dokumentarfilm. „Und obwohl es mir weh tat, ihn gehen zu lassen, wusste ich, dass es sein Traum war – ein Traum, der auch mein Leben verändert hat.“

Ein erfolgreicher profi mit beeindruckender bilanz
Seitdem hat Quiñones eine beeindruckende Karriere hingelegt. Er spielte für Tigres, Atlas und América, gewann sechs Liga-Titel und vier Campeones-Titel. Vor zwei Jahren holte ihn Míchel González nach Saudi-Arabien, um ein aufstrebendes Team in der ersten Liga zu verstärken. Seine Torbilanz ist schlichtweg atemberaubend: 53 Tore in der letzten Saison, fünf mehr als Cristiano Ronaldo und ein Tor mehr als der englische Nationalspieler Ivan Toney.
Julián Andrés Quiñones' Geschichte ist ein Beweis dafür, dass Träume wahr werden können, selbst wenn man aus den ärmsten Verhältnissen stammt. Sein Tor bei der WM war nicht nur ein Moment der Freude für Mexiko, sondern auch ein Symbol der Hoffnung für all jene, die in Magüi Payán und ähnlichen Regionen nach einem besseren Leben suchen.
