Demichelis muss ohne seine felsen spielen – 775 tage später bröckelt mallorcas abwehr

775 Tage. So lange ist es her, dass Mallorca ohne Raíllo und Valjent in die Innenverteidigung musste. Am Samstag ist es wieder soweit – und diesmal fehlen beide gleichzeitig. Der Kapitän flog wegen Syndesmoseriss bereits ins OP, sein Stamm-Partner sitzt nach fünfter Gelber auf der Tribüne. Was bleibt, ist ein Puzzle aus drei Teilen für zwei Plätze.

Micho kennt die lage aus eigener erfahrung

Trainer Javier Aguirre war einst selbst Libero, weiß also, wie eng der Luftstrom wird, wenn die Routine fehlt. Seit seinem Amtsantritt stellte er auf das Duo Raíllo-Valjent, weil es Statistiken liefert: 1,25 Gegentore pro Spiel. Drei Partien lang funktionierte die Rechnung, dann riss der Faden. In den letzten vier Pflichtspielen kassierte Mallorca sechs Gegentreffer – kein Einziger davon reiner Abwehrfehler, doch die Unsicherheit frisst sich von der Rückwärtsbewegung nach vorn.

Der erste Notnagel war Omar Mascarell. Gegen Girona rückte der Sechser in die Viererkette und spielte sich mit 92 % Passquote direkt in die Highlights. Kein Neuling: Der Tinerfeño stand schon 2018 sporadisch als Innenverteidiger auf dem Platz. Nur hatte niemand damit gerechnet, dass er die Position so souverän füllt, während Sergi Darder vor ihm das Mittelfeld lenkt – Premiere unter Aguirre, Erfolg inklusive.

David lópez und kumbulla drängen in die startelf

David lópez und kumbulla drängen in die startelf

Für das Heimspiel gegen Rayo dürfte Mascarell hinten bleiben, diesmal an der Seite von David López. Der 33-jährige La-Masia-Absolvent war in den bisherigen drei Kurzeinsätzen der Ruhepol: 10,3 Klärungsaktionen pro 90 Minuten, kein einziger Fehlpass im eigenen Sechzehner. Die Alternative: Marash Kumbulla. Nach 116 Tagen Verletzungspause stand der Albaner gegen Real Madrid wieder im Kader. Die Frage ist nicht mehr, ob er spielbereit ist, sondern ob Aguirre das Risiko eingeht, gleich zwei Umstellungen zu wagen.

Weiter hinten in der Warteschlange wartet José Olaizola. Der 20-jährige B-Junior trägt seit Januar die Nummer 32 und trainiert seit Wochen auf Kampagnenniveau. Seine Leistungsdaten für Mallorca B: 86 % Zweikampfquote, 6,8 Luftduelle gewonnen pro Partie. Eine Berufung wäre ein Statement – und ein Bollwerk gegen den Saisonfaden, der gerade zu reißen droht.

Mallorca kassierte in dieser Spielzeit bereits 14 Gegentore, so viele wie in der kompletten Vorrunde 2022/23. Die Insel träumt von Europa, doch ohne ihre zentralen Abwehrgiganten droht der Traum, ein Luftschloss zu bleiben. Aguirre hat 48 Stunden, das Fundament neu zu gießen. Die Lösung trägt entweder die Nummer 5, die 16 – oder eine Kombination, die 775 Tage lang niemand erproben wollte.