Del piero und balotelli sitzen in serie d: familien statt glamour
Statt Champions-League-Flutlicht lauert in Sesto San Giovanni nur das schummrige Glimmen des Breda: Alessandro Del Piero und Mario Balotellihaben sich am Freitagabad in die Tribüne der Pro Sesto geklemmt – und keiner von beiden kam wegen eigener Legenden, sondern wegen Tobias und Enock, Sprösslingen, die in der viertklassigen Serie D kicken.

Väter, brüder, ein platzverweis und ein umstrittener elfmeter
Del Piero junior, 18, seit Januar beim Kellerkind Pro Sesto, rutschte auf der Bank hin und her; sein Vater verharrte in Reihe zwei, Kapuze über den Augen, als wolle er die 90 Minuten ungesehen machen. Auf der Gegenseite stand Enock Barwuah, Balotellis jüngerer Halbbruder, erst 20 Minuten vor Schluss auf dem Feld – und genau da wurde die Partie zur Familienaffäre mit Dampf: Schiedsrichter Marini pfeilt einen Strafstoß für Desenzano, der Gästeblock explodiert, die Pro-Sesto-Seite kocht. 2:1 steht es am Ende, Desenzano springt an die Tabellenspitze, Balotelli feixt mit dem Bruder, während Del Piero senior die Hand auf Tobias' Schulter legt – kein Einsatz, aber Vatersein.
Die Zuschauerzahlen? 1.847, Rekord für diese Saison in der Gruppe B. Die Selfie-Queue? Dreimal so lang wie der Sechzehner. Die Ironie? Ausgerechnet in der Liga, in der man normalerweise nur über Auf- und Abstieg murrt, spielen plötzlich Weltmeister-DNA und Bad-Boy-Genetik mit – und niemand redet über Taktik, nur über Blut ist dicker als Serie A.
Ex-Juve-Verteidiger Nicola Legrottaglie und Ex-Inter-Abwehrriese Fabio Galante wirkten dagegen wie Statisten: erkennbar, aber ohne Familienbonus. Sie klatschten höflich, während Navarini und Conte, die Pro-Sesto-Chefs, den VIP-Bereich zur Privatloge umfunktionierten. Die eigentliche Hauptdarstellung fand aber außerhalb des Rasens statt: ein Vater, der seinen Sohn nicht einwechseln kann, und ein Bruder, der den Sieg mit einem Foulelfmeter einleitet.
Mit dem Erfolg festigt Desenzano den Aufstiegsplatz, Pro Sesto bleibt im Mittelfeld stecken. Die Saison dauert noch neun Spieltage, aber für Tobias Del Piero und Enock Barwuah zählt vor allem der Nachname – und der bringt selbst in der Provinz Schlange stehende Fans auf die Tribüne. Ob sie jemals in der Serie A landen? Heute reichte Serie D, um Italiens soziale Netzwerke zum Glühen zu bringen.
