Deb-sportvorbrand künast bricht nach olympia-desaster ein: „wir haben uns selbst entzaubert“

Milano, 3. März 2026, 20:08 Uhr – Christian Künast schlägt mit der Faust auf den Tisch. Dann sinkt seine Stimme. „Wir haben eine Mannschaft geschickt, die auf dem Papier stärker war als jede zuvor – und sind mit dem Gesicht auf dem Eis gelandet“, sagt der Sportvorstand des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) im Interview mit MagentaSport. Die 2:6-Pleite gegen die Slowakei im Viertelfinale war nur die letzte Blamage. Drei Niederlagen in fünf Spielen, nur einmal gegen einen absoluten Top-Gegner. Das ist keine Statistik, das ist ein Armutszeugnis.

„Wir haben harry kreis entzaubert – und mich mit“

Was niemand laut sagte, spricht Künast nun aus: Die Trainer durften nicht im Olympischen Dorf wohnen. „Unsere größte Stärke ist der Draht zu Harry – das haben wir ihm genommen“, gesteht der ehemalige Nationaltorwart. „Frauen wie Männer sind es gewohnt, dass der Coach nebenan wohnt, dass man um 23:00 Uhr noch die Tür aufreißen kann.“ Dieses Mal blieben die Türen geschlossen, die Emotionen gefangen. „Wir haben aus Versehen die Seele des Teams ausgebucht“, so Künast.

Das DEB-Konzept war eigentlich klar: erst die Defensive sichern, dann das Tempo erhöhen. Doch gegen die Slowakei jagte Draisaitls Line stattdessen ein Forecheck, der nicht mal zur Mittelzone reichte. „Hurra-Eishockey“, nennt Künast das. „Statt kompakt hinten rauszukommen, sind wir offensiv abgebrannt.“ Die Folge: vier Gegentore in neun Minuten, das Turnier war gelaufen.

„Top vorbereitet war anders – und das fängt bei mir an“

„Top vorbereitet war anders – und das fängt bei mir an“

Künast macht keine halben Sachen. „Wir waren gut, aber nicht top vorbereitet – und das beginnt bei mir, weil ich der Vorstand Sport bin.“ Er spricht von verpassten Video-Sitzungen, von zu kurzen Regenerationsfenstern, von einem Plan, der auf NHL-Power setzte, aber die Grundlagen vernachlässigte. „Identität ist nicht Leon, Moritz oder Tim. Identität ist, dass der Dritte den Zweiten deckelt, egal wie viele Millionen man verdient.“

Die Zahlen sind gnadenlos: Deutschland kassierte 14 Gegentore, erzielte nur acht. Die einzige Konstante war die Unkonstanz. Gegen die USA (1:5) sah man eine Spur von Respekt, gegen die Schweiz (3:4) eine Spur von Pech, gegen die Slowakei nur Leere. „Wir haben gedacht, der Gegner kippt von allein um – aber Eishockey ist keiin Wunschkonzert“, sagt Künast.

Die historische chance ist jetzt ein mahnmal

Viertelfinale war das Minimalziel, mehr wäre möglich gewesen. Die Slowakei galt als leichtester Gegner, das Team mit dem kleinsten NHL-Anteil. Doch genau die zeigten, was Deutschland vermissen ließ: Kompaktheit, Leidenschaft, ein Wir-Gefühl, das nicht aus Marketing-Broschüren stammt. „Das deutsche Spiel ist mutiges Rausgehen für Deutschland – nicht für die eigene Statistik“, so Künast. „Das haben wir vergessen.“

Nun beginnt die Außschaltung. Der DEB will ein neues Leitbild, neue Strukturen, vielleicht sogar einen neuen Trainer. Künast kündigt ein „offenes Hearing“ mit Spielern, Coaches und Fans an. „Wer mitreden will, bekommt ein Mikro – aber kein Filter.“ Denn eins ist klar: Bei der Heim-WM 2027 in Dortmund will niemand wieder von verpassten Chancen sprechen. Sondern von einer Mannschaft, die endlich ihre Seele wiederfindet – und nicht nur ihre Stars.