Datenskandal bei tsg hoffenheim: gekündigte top-juristen ziehen vor gericht

Arno Metz und Asmahan Gamgami wollten den Chef rauswerfen – jetzt sitzen sie selbst auf der Anklagebank. Die TSG 1890 Hoffenheim droht ein Datendesaster, das weit über den kleinen Kraichgauer Klub hinaussehen könnte.

Die sache mit der mitgliederliste

Interne Kreise sprechen von einem „Putschversuch“. Gemeint ist der Plan, Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker per Gesellschafterbeschluss abzulösen. Als Begründung diente angeblich ein Datenleck: Die GmbH soll eine Excel-Datei mit 1.400 Vereinsmitgliedern angefordert haben, um geeignete Kandidaten für die Vorstandswahl auszusieben. Juristisch brisant: Die Liste ging von Barbara Bender, einer Mitarbeiterin der Abteilung Mitgliederverwaltung, an Henrik Westerberg, Vertreter der Spielbetriebs-GmbH. Ob das Datenschutzgesetz gebrochen wurde, prüft nun das Landeskriminalamt Baden-Württemberg.

Die interne Prüfung lief bereits, doch Schicker stoppte sie und gab den Auftrag an eine Münchner Großkanzlei. Was dort auf dem Tisch liegt, bleibt geheim. Klar ist: Die geplante Gesellschafterversammlung kam nicht zustande – wegen eines Formfehlers. Henssler trat zurück, Metz und Gamgami flogen raus. Beide kündigten umgehend Klagewelle an.

26. März wird zum showdown

26. März wird zum showdown

Das Arbeitsgericht Heidelberg verhandelt nun an einem Tag beide Fälle. Metz‘ Anwälte werfen dem Klub vor, die Kündigung sei „vorsätzlich sachlich unwahr“. Die GmbH kontert: Der Jurist habe als verantwortliche Whistleblower-Stelle schweigen statt handeln müssen. Die Beweisliste liest sich wie ein Krimi: Chat-Logs, interne E-Mails, eine verschwundene Protokoll-Notiz. Wer wann welche Datei öffnete, wird per IT-Forensik rekonstruiert.

Die Staatsanwaltschaft Heilbronn beobachtet das Verfahren aufmerksam. Ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf § 203 StGB (Verletzung des persönlichen Lebens- und Geheimbereichs) liegt bereit, sollte das Arbeitsgericht Hinweise auf vorsätzliche Datenweitergabe liefern. Die Bußgeldkeule des Landesdatenschutzbeauftragten schwingt ebenfalls: Bis zu 4 % des Jahresumsatzes der GmbH könnten fällig werden.

Neuwahl trotz trümmerfeld

Neuwahl trotz trümmerfeld

Am Montag wählt der Verein trotzdem neuen Vorstand. Sieben Kandidaten um den Stellvertreterposten buhlen um 1.400 Stimmen – genau die Liste, die eigentlich nie hätte existieren dürfen. Während die Anwälte im Gerichtssaal 3 Düfte nach frischem Kaffee und Angst schweben, diskutieren die Mitglieder im Fanshop, ob der Klub nach diesem Schlamassel noch glaubwürdig ist.

Der Fall Hoffenheim zeigt, was passiert, wenn Fußball-Manager glauben, Datenschutz sei nur ein Papier tiger. Am 26. März fällt das Urteil – und vermutlich ein paar weitere Köpfe.