Cristiano jr. probiert bei real: das gespenst der 451
Cristiano Ronaldo Jr. stapfte Dienstagfrüh über den Trainingsrasen von Valdebebas – und die Kameras von Movistar+ drehten durch, als stünde der 15-Jährige schon im Estadio Santiago Bernabéu. Der Sohn des fünfmaligen Weltfußballers absolvierte ein Probetraining für die U16 von Real Madrid. Die Botschaft: Die Dynastie soll weiterleben, 1.500 Kilometer von Papas Wüstenjob entfernt.
Der sohn als auslandsprojekt
Seit Januar 2023 kickt Cristiano Jr. bei Al-Nassr, wo Papa Cristiano bis 2027 unter Vertrag steht. 58 Pflichtspiele, 28 Tore – das ist die bislang geheime Bilanz des Stürmers, die saudische Funktionäre intern zirkulieren lassen. Doch die Königlichen locken: Sie suchen einen Linksaußen für ihre U16, die gerade die Copa de Campeones gewann. Der Vertrag des Juniors in Riad läuft Ende Saison aus, eine Ausstiegsklausel für akademische Wechsel existiert. Real zahlt keine Ablöse, nur eine Ausbildungsentschädigung von umgerechnet 60.000 Euro – ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass Papa Ronaldo 94 Millionen Euro kostete.
Im Klubbüro nennt man das Projekt intern „Operation 7“. Nummer 7 trug der Senior in Madrid, Nummer 7 soll dem Junior in der Youth Liga auf den Rücken gedruckt werden. Die Ironie: Wer im Nachwuchsleistungszentrum auftritt, muss sich zunächst die Duschen mit 40 anderen Talenten teilen. Kein Privatjet, keine Bodyguards – nur ein Leih-Pad im Residencia. „Er lacht viel, aber er tritt nicht auf“, sagt ein Betreuer, der den Jungen beim Fintentraining beobachtete.

Die statistik, die ihn einholt
451 Tore in 438 Spielen – das ist der Maßstab, den Vater Ronaldo zwischen 2009 und 2018 setzte. Kein Mensch im Klub spricht offen darüber, aber jeder Scout kennt die Excel-Liste: Cristiano Jr. steht bei 38 Treffern in 45 Nachwuchsspielen – eine Quote von 0,84, während Papa in dessen Jugendzeit bei 0,9 lag. Die Lücke ist klein, die Erwartung riesig.
Die Familie plant langfristig. Laut spanischen Kollegen soll Mutter Georgina Rodríguez bereits eine Wohnung in La Finca angemietet haben – jene Gated Community, in der schon Sergio Ramos und Eden Hazard residieren. Ein Umzug würde auch die kleinen Geschwister mitnehmen: Alana Martina, Bella Esmeralda und die Zwillinge Eva und Mateo. Real Madrid wiederum winkt mit dem EU-Pass, den der Junior über seine US-Geburt erst in zwei Jahren beantragen könnte. Bis dahin spielt er als „comunitario adelantado“, ein frühreifer EU-Bürger nach spanischem Nachwuchsstatut.
Entscheidung steht offiziell aus, aber die Gerüchte sind laut genug, dass Al-Nassr bereits mit Ersatz sucht. Der sportliche Leiter der Saudis soll angeboten haben, Cristiano Jr. in die U19 hochzuziehen und mit Profis zu trainieren – ein Versuch, den Jungen mit schneller Beförderung zu ködern. Doch der Junge will Spanisch lernen, nicht Arabisch. Und er will Tore schießen, wo sein Vater Geschichte schrieb.
Die U16 von Real empfängt am Wochenende Atlético Madrid. Cristiano Jr. dürfe von der Bank aus zuschauen, hieß es intern. Wenn er kommt, wird Valdebebas wieder zur Showbühne. Dann wird nicht nur ein Spiel entschieden, sondern eine Dynastie neu justiert. Die 450 Millionen Follower seines Vaters warten auf die nächste Instagram-Story. Der Sohn muss nur eins tun: treffen. Allein schon, um die 451 nicht länger als Gespenst mitzuschleppen.
