Cremonas absturz: 0 punkte seit 100 tagen – jetzt wackelt der trainer
Mailand – Ein 1:4 zu Hause gegen Florenz, und die Luft für Davide Nicola ist dünn wie nie. Die Cremonese hat am 17. März 2026 ihre vierte Niederlage in Serie kassiert – und die letzte Pflichtspiel-Sieg datiert auf den 7. Dezember 2025. 100 Tage ohne Dreier, neun Spieltage ohne Punkte: Die Serie-A-Rückkehr droht, sich nach nur einer Saison schon wieder in Serie B zu verwandeln.
Die Statistik ist ein Spiegel der Ohnmacht: 14 Zähler aus den ersten neun Partien, danach free fall. Seit dem 2:0 gegen Lecce vor über drei Monaten schoss die Grana nicht einmal mehr ein Tor, das drei Punkte wert war. Die Tordifferenz in dieser Phase: 3:13. Das reicht für Platz 18 – und für Krisensitzungen bis spät in den Abend.

Giampaolo soll die rettungsinsel sein
Marco Giampaolo gilt als designierter Nachfolger. Der 57-Jährige führte Cremonese bereits 2014/15 in der dritthöchsten italienischen Spielklasse – nun soll er dieselbe Truppe vor dem Abstieg bewahren. Intern gilt er als „Taktik-Freak“, der aus fünf Spielern eine verschlossene Wand baut. Genau das braucht ein Kader, der die Orientierung verloren hat. Eine Entscheidung fällt laut Vereinskreisen „innerhalb von 24 Stunden“.
Nicola selbst spielte gestern noch den Stoiker. „Wenn die Verantwortung bei mir liegt, nehme ich sie – bis zum bitteren Ende“, sagte er nach dem Fiasko gegen Florenz. Der Satz klang wie ein Rücktritt ohne Papier. In der Kabine soll es laut ‚Gazzetta dello Sport‘ bereits einen offenen Konflikt gegeben haben: Jakub Jankto soll den Coach nach der Pause als „covarde“ – Feigling – beschimpft haben. Das Video ging viral, die Vereinsbosse schwiegen.
Der Zeitplan ist gnadenlos. Noch neun Partien, Rückstand auf das rettende Ufer: fünf Punkte. Die nächsten Gegner: Atalanta (Auswärts), Bologna (Heim) und Lazio (Auswärts). Wer dort nicht zumindest etwas Zählbares mitnimmt, kann den Koffer für die Serie B bereits packen. Die Fans wittern Verrat – an der Mannschaft, am Trainer, vielleicht auch an der sportlichen Leitung, die den Kader trotz 18 Neuzugängen nicht stabil bekam.
Die Cremonese schaffte 2025 den Aufstieg als Herbstmeister. Nun droht ihr der Abstieg als Frühjahrsletzter. Dahinter steckt ein einfacher Mechanismus: Wer 100 Tage sieglos bleibt, landet irgendwann auf dem letzten Platz. Der Countdown läuft – und die Uhr tickt laut genug, dass sie in ganz Oberitalien zu hören ist.
