Cottbus verschenkt tabellenführung – ulm kassiert wertlosen punkt im abstiegskampf

Der Traum vom Aufstieg schrumpft mit jedem Pfiff. Energie Cottbus spielte sich am 29. Spieltag die Zähne an einem Abstiegskandidaten aus, blieb beim 1:1 gegen den SSV Ulm stehen und rutscht endgültig in die Schlagzeile, die niemand im Stadion an der Hafenstraße lesen wollte: Früher Spitzenreiter, heute nur noch Verfolger.

Der treffer, der keiner war

Leon Dajaku nutzte eine 21. Minute, in der Cottbus hinten offenstand wie ein Karussell ohne Sicherheitsbügel. Der Ex-Berliner traf aus spitzem Winkel, und plötzlich roch es nach Sensation. Die Gäste verteidigten mit zwei Ketten und einem Glauben, den man ihnen in den Wochen zuvor kaum zugetraut hatte. Erst 13 Minuten vor Ultimo fiel der Ball nach einem misslungenen Kopfball von Erik Engelhardt dennoch über die Linie – ein Treffer, der genauso glücklich wirkt wie Cottbus‘ Formkurve seit acht Spielen.

Die Zahlen sind schonungslos: zwei Siege aus den letzten acht Partien, drei Spiele ohne Dreier, nur ein Punkt Vorsprung auf Platz drei. Trainer Claus-Dieter Wollitz sprach von „geistiger Ermattung“, doch wer Cottbus in dieser Woche trainieren sah, witterte eher Angst, nicht Müdigkeit. Die Laufwege waren halbherzig, die Hereingaben vorhersehbar, und als Engelhardt traf, atmete niemand Erleichterung – nur ein kurzes Stöhnen, weil man weiß, dass so ein Remis am Ende nicht reicht.

Im keller wird es noch enger

Im keller wird es noch enger

Während oben die Luft dünner wird, verdichtet sich die Atmosphäre unten zur Blei-Lawine. Schweinfurt 05 schlägt Stuttgart II 3:1 und verringert den Rückstand auf den Relegationsplatz auf vier Zähler. TSV Havelse kassiert in Regensburg eine 2:5-Klatsche, Erzgebirge Aue verliert in Mannheim durch ein umstrittenes 90.+1-Tor von Terence Boyd – ein Ball, der längst nicht die Torauslinie berührt haben dürfte. Die Bilder vom BruchsalTV-Feed zeigen eine Lücke von mindestens fünf Zentimetern zwischen Ball und Kreide. Der VAR existiert in Liga drei nur auf dem Papier, die Entscheidung steht.

Alemannia Aachen profitiert indirekt vom Chaos und springt durch ein 2:1 in Ingolstadt auf Rang acht. Zwischen Platz vier und zwölf trennen nur fünf Punkte – ein Mahlstrom, der Cottbus mit hineinziehen könnte, sollte die Trendwende ausbleiben.

Die Saison ist nicht mehr jung. Noch sieben Spieltage, und Cottbus muss dreimal auswärts ran, darunter in Dortmund und Dresden. Die Frage ist nicht mehr, ob die Mannschaft den Aufstieg schafft, sondern ob sie sich selbst noch traut, daran zu glauben. Trainer Wollitz sprach von „kleinen Schritten“. Die Realität heißt: ein Schritt nach vorn, zwei zur Seite – und am Ende steht man auf der Stelle, während die Konkurrenz vorbeizieht.