Cortina verabschiedet die paralympics 2026 mit einem spektakel, das die alpen erbeben lässt

Um 20:00 Uhr Ortszeit erlischt in Cortina d’Ampezzo das Licht für die letzten 1.400 Paralympics-Athleten. Das Eisstadion, 1956 für die Olympischen Winterspiele gebaut, wird heute zur Kulisse eines Schlussfeuerwerks, das Italiens Sportministerin Giorgia Meloni mit der Hand am Herz eröffnet – und das die 70-jährige Geschichte der italienischen Winterspiele in eine einzige halbe Stunde presst.

Die bühne ist kein eis, sondern eine leinwand aus schnee

Angelo Bonello, Lichtkünstler, der sonst Stadien in Doha oder Sydney in UFOs verwandelt, hat 42 Laser und 18 km Glasfaserkabel durch die Dolomiten gezogen. „Wir bauen kein Stadion, wir biegen ein Gebirge“, sagt er. Seine Crew schleppt 800 m³ Eisblöcke auf 1.200 m Höhe, damit morgen um Mitternacht ein 60 m breites Tor aus Eis aufblitzt – in dem die letzten Medaillengewinner auf Skiern durchschweben. Die Proben liefen bei minus 8 Grad; die Organisatoren mussten 30.000 Handwärmer importieren, damit die Tänzer ihre Finger bewegen können.

Francesco Conticello, Co-Regisseur, hat die Musik komplett neu arrangiert: keine Oper, sondern Techno mit Zither. 80 Musiker spielen live, dazu kommt ein 200-köpfiger Kinderchor aus Friaul, der in Ladinisch rappt. Das Budget: 4,3 Mio. Euro, finanziert von der Region Venetien und einem privaten Konsortium, das die Fernsehrechte für den asiatischen Markt sicherte. Die Rechnung: 90 Sekunden Werbezeit während der Übertragung kosten 250.000 Euro – teurer als ein Super-Bowl-Spot.

Der letzte tag war ein krimi mit deutschem happy end

Der letzte tag war ein krimi mit deutschem happy end

Vor der Show entschied sich alles im Wheelchair-Curling. Die deutsche Mixed-Staffel lag im Endspiel gegen Kanada 4:5, holte im letzten End mit einem Draw auf den Button den Sieg und sicherte sich die Gold-Medaille – 1,2 Mio. Zuschauer verfolgten das Finale im ZDF, Quotenrekord für eine Paralympics-Disziplin. Christiane Putzich, Skip der deutschen Mannschaft, sagte unmittelbar danach: „Wir haben heute nicht nur Stein auf Stein gelegt, sondern ein ganzes Jahr Quarantäne-Training auf Eis.“ Die Kanadier nahmen die Niederlage mit dem typischen Lächeln, verlangen aber schon jetzt eine Video-Schiedsrichter-Regel für 2030.

Die Medaillen-Statistik spricht eine klare Sprache: Deutschland holte 15 Gold, 11 Silber, 9 Bronze und landet auf Platz 2 hinter China (16/14/12). Das italienische Team krönt sich mit 8 Gold zum besten Ergebnis seit Turin 2006 – die Heim-Regel funktionierte. Die Gesamtzahl der TV-Stunden: 1.800, 200 mehr als bei Tokio 2021. Die Streaming-Plattform Paralympics-Play verzeichnete 3,4 Mrd. Minuten – ein neuer Weltrekord.

Was nach der flamme übrig bleibt

Was nach der flamme übrig bleibt

Die Athletensiedlung in Cortina wird morgen früh um 6 Uhr geräumt, die Betten in Container gepresst und nach Mailand transportiert – dort entsteht ein Sozialwohnprojekt. Die 1.200 Freiwilligen bekommen jedes ein Alpen-Abzeichen aus recyceltem Medaillen-Material. Und das Feuer? Die Flamme wandert nicht nach Griechenland, sondern in ein kleines Museum am Rande der Stadt, wo sie in einem Glaskubus weiterbrennt – als Dauerreminder, dass Barrieren auch aus Eis bestehen können.

Für die TSV Pelkum Sportwelt heißt das: Wir haben 17 Tage lang gesehen, dass Sport mehr ist als Sieg und Niederlage. Es ist die Geschichte von Marco Perathoner, der mit nur einem Bein die Abfahrt runterraste, und von Lisa Luchini, die nach ihrem dritten Sturz trotzdem lachte. Eine Geschichte, die in Cortina endet – und morgen in jedem Training auf der heimischen Rodelbahn weitergeht. Die Paralympics 2026 sind vorbei. Die Nachhallzeit beginnt jetzt.