Cortina kocht: 17 grad auf der piste, athleten fluchen über frühlings-paralympics
Die Schneekanonen stehen still, die Bäume tragen bereits Knospen – und Marco Maier läuft im Kurz-Outfit zur Bronzemedaille. Bei 17 Grad im Schatten verwandelt sich Cortina 2026 in eine Schau des Milden: die „Frühlingsspiele“, wie sie die Athleten jetzt schon taufen.
Der schnee weicht, die knie auch
Am Freitag rutschten so viele Snowboarder aus, dass das Medical Center eine eigene Schlange bildete. Christian Schmiedt, Deutschlands einziger Para-Boarder, schüttelt den Kopf: „Weich wie Sau, man spürt jeden Kantenhaken.“ Ein Athlet flog so unglücklich, dass er mit Schulterverdacht ins Krankenhaus musste – und das war nur das Training.
Die Organisatoren reagieren mit einer Stunde Vorverlegung beim Super-G, starten um 9:30 Uhr statt 10 Uhr. Die Hoffnung: härterer Firn, mehr Halt. Doch das ist ein Flickenteppflösung. Die Dolomitenbahnen liefern längst Bilder von grünen Hängen neben den Riesentorläufen.

Kurz-trikot als glücksbringer
Marco Maier feierte bereits zwei Podeste – und jedes Mal lief er im Tank-Top. „Das hilft gegen Hitzschlag“, sagt er halb im Scherz. Die kanadische Staffel trainierte gestern sogar barfuß auf dem Parkplatz, um sich abzukühlen. Die Zuschauer lieben die Optik, die Langlauftrainer nicht: „Sonne auf lackierter Haut verbrennt die Pulsuhr“, meckert ein Österreicher.
Die Frage ist längst keine Rhetorik mehr: Wie lange noch kann der Wintersport seine eigenen Terminkalender überleben? Die Athleten fordern seit Jahren, die Paralympics vor die Olympischen zu legen – tief im Winter, mit echtem Schnee. Das IOC hört, nickt, verschiebt.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit 1994 ist die Durchschnittstemperatur in Cortina im März um 2,3 Grad gestiegen. Der Kunstschneeanteil klettert von Spiel zu Spiel. Die Kosten dafür? Diesmal 37 Millionen Euro, bezahlt von den italienischen Steuerzahlern. Die Athleten bezahlen mit blutigen Knien.
Am Montag steht der Super-G an. Anna-Lena Forster will nachlegen, doch selbst sie weiß: Früher Start bedeutet nicht kaltes Wetter, nur weniger Publikum. Die Fernsehbilder werden wieder Sonnenglitzern zeigen, keine Schneeflocke. Die „Frühlingspiele“ haben ihren Namen verdient – und ihre Ironie auch.
