Cortina d’ampezzo: kurve 4 als olympia-entscheidung für deutsche schlittenpiloten

Cortina d’ampezzo: kurve 4 als olympia-entscheidung für deutsche schlittenpiloten

Vor den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo steht für die deutschen Schlitten-Sportler ein Thema über allem: die berüchtigte Kurve 4 im Eiskanal. Diese Kurve, am Eingang zum sogenannten „Labyrinth“, beschäftigt Bobpiloten, Rodler und Skeleton-Fahrer schon seit Monaten. Am Samstag starten die Rodler als erste Disziplin in die Wettkämpfe.

Die herausforderung kurve 4

Julia Taubitz, die amtierende Weltmeisterin, betont: „Die Kurve 4 ist ausschlaggebend. Da entscheidet sich, ob du den Ausgang triffst und den Speed mitnimmst.“ Auch Lisa Buckwitz, die Bobpilotin, die ab dem 15. Februar an den Start geht, bestätigt die Schwierigkeit: „Monobob ist dort am schwierigsten zu fahren, weil du dort wenig Druck hast. Dort rutschst du sehr.“

Der schlüssel zum erfolg liegt in der linie

Der schlüssel zum erfolg liegt in der linie

Christian Baude, Bundestrainer im Skeleton, erklärt die Brisanz: „Wenn ich da Fehler mache, ist die Zeit weg, und man hat keine Chance. Olympia wird in den ersten vier Kurven entschieden.“ Um die ideale Fahrlinie zu finden, setzen die Athleten auf den innovativen „BMW Datencoach“.

Der bmw datencoach – hightech am eiskanal

Der bmw datencoach – hightech am eiskanal

Der „BMW Datencoach“ wurde von Ex-Rodler Julian von Schleinitz in Zusammenarbeit mit Felix Loch und Max Langenhan entwickelt. Sensoren und Kameras am Schlitten ermöglichen eine detaillierte Analyse der Fahrt aus der Ich-Perspektive. Dabei werden Tempo (in Längs- und Querrichtung), Fliehkräfte und der Winkel des Schlittens aufgezeichnet. Durch die Analyse von rund 30 Läufen versuchen die Athleten, die perfekte Linie zu finden.

Datenanalyse als wettbewerbsvorteil

Datenanalyse als wettbewerbsvorteil

„Durch die Daten nähere ich mich stetig der besten Fahrlinie“, erklärt Felix Loch. Max Langenhan ergänzt: „Manche Rutscher spürt man auf dem Schlitten gar nicht, erkennt sie dann aber durch die Daten.“ Die Rodler nutzen in der Regel fünf Paddler, um Schwung zu holen. Die Anfahrt zur Kurve 4 ist besonders sensibel, wie von Schleinitz erklärt: „Man muss die Kurve 4 gut treffen, da diese hinten raus unheimlich steil steht.“

Technische details und kritische stellen

Nach der langgezogenen Linkskurve 3 erreichen die Schlitten mit etwa 80 km/h die Rechtskurve 4. Eine falsche Linie kann dazu führen, dass der Schlitten beim Ausbrechen in die darauffolgende Gerade rutscht und gegen die Bande fährt. Die Analyse mit dem BMW Datencoach hat gezeigt, dass selbst kleine Abweichungen von zehn Zentimetern in der Kurve große Auswirkungen haben können. In Kurve 11 erreichen die Viererbob-Teams mit bis zu 134 km/h die höchste Geschwindigkeit und spüren gleichzeitig die stärksten Fliehkräfte von rund 4,0 g.

Weitere herausforderungen auf der bahn

Neben Kurve 4 gibt es weitere kritische Stellen auf der Strecke. In Kurve 9 sind die Fliehkräfte mit nur 0,5 g relativ gering, was den Anpressdruck minimiert und die Gefahr des Rutschens erhöht. Auch die Kurven 7 und 8 stellen für die Bob-Piloten eine Herausforderung dar, da hier Drifts auftreten können. Die Wettkämpfe versprechen Spannung und zeigen, wer die Kurve 4 am besten meistern kann.

Foto: Robert Michael/dpa