Corretja: alcaraz fehlt, wimbledon wird zur nervensache!
Wimbledon steht vor der Tür, und für Tennis-Fans in Spanien herrscht eine geteilte Stimmung. Einerseits die Vorfreude auf das prestigeträchtigste Rasenturnier der Welt, andererseits die schmerzliche Erkenntnis, dass Carlos Alcaraz, der Shootingstar des Tennis, ausfällt. Der ehemalige Wimbledon-Champion Álex Corretja, Experte bei Movistar Plus, spricht im Exklusivinterview mit MARCA über die Auswirkungen dieses Ausfalls, die Chancen von Jannik Sinner und die überraschenden Möglichkeiten für andere Spieler.
Die alcaraz-lücke: mehr als nur ein tennismatch
„Es ist ein verdammtes Inferno, ohne Carlos“, gesteht Corretja offen. Der Verlust des jungen Spaniers sei nicht nur ein sportlicher Nachteil, sondern eine emotionale Enttäuschung für die Fans. „Wir haben einen Teil unserer Magie, unserer Essenz verloren.“ Corretja betont, dass Alcaraz mehr als nur ein Spieler sei – er sei ein Katalysator für Spannung und Begeisterung. Seine Anwesenheit schaffe eine besondere Atmosphäre, die mit der von Jannik Sinner oder Novak Djokovic nicht vergleichbar sei. „Wenn er spielt, sind alle gebannt. Es ist eine andere Art von Pulsieren.“

Sinner im fokus: druck oder chance?
Nach dem verpassten Triumph in Roland Garros lastet ein enormer Druck auf Jannik Sinner. Doch Corretja glaubt nicht, dass der Italiener sich davon beirren lässt. „Ich glaube, Sinner nimmt das alles ziemlich gelassen“, erklärt er. Er verweist auf Sinners beeindruckende Comeback nach einer Sperre und seinen Sieg in Wimbledon im vergangenen Jahr als Beweis für seine mentale Stärke. Der Open de Australia-Finalist habe aus seinen Erfahrungen in Paris gelernt und werde nun seine körperlichen Grenzen besser einschätzen können.

Überraschungen und neue hoffnungsträger
Corretja sieht in der Abwesenheit von Alcaraz auch eine Chance für andere Spieler. „Roland Garros hat die Tür geöffnet“, sagt er. Namen wie Frances Tiafoe oder Maxime Cressy könnten nun überraschen und um den Titel kämpfen. Besonders hervorhebt er Alexander Zverev, der sich von seiner bisherigen Blockade befreit hat. „Er ist jetzt viel gefährlicher, entspannter und aggressiver.“

Djokovic: letzte chance auf den historischen grand slam-sieg?
Auch Novak Djokovic wird als Top-Favorit gehandelt, doch Corretja warnt vor Übermut. „Ich denke, er hat nicht mehr viele Karten zu spielen“, meint er. Djokovic sei körperlich am Limit, und Wimbledon könnte entscheidend für den Rest seiner Karriere sein. „Wenn er hier nicht gewinnt, wird es für ihn sehr schwer, noch weitere Grand Slams zu gewinnen.“
Jodars herausforderung: zeit für regeneration
Für Rafael Nadal, der in Paris überraschend weit vordrang, ist es nun wichtig, den Körper zu schonen und sich auf die zweite Saisonhälfte vorzubereiten. „Sein Kalender und seine körperliche Verfassung sind entscheidend“, betont Corretja. „Nach diesem Höhenflug ist es wichtig, dass er sich gut erholt und anpasst.“
Doch eines ist klar: Ohne Carlos Alcaraz wird Wimbledon eine andere, vielleicht sogar spannendere Geschichte erleben. Die Rasen-Saison verspricht Nervenkitzel und Überraschungen, und die Tenniswelt hält den Atem an.
