Conte rotiert durch: beukema startet, rechtsflügel-rätsel beim ssc neapel
Die Länderspielpause ist vorbei, die nächste Stunde der Wahrheit naht – und Antonio Conte hat schon wieder umgebaut. Gegen Lecce rückt Sam Beukema in die Dreierkette, rechts droht ein Kleinkrieg, und auf der Sechser-Doppel-Sechs fehlt plötzlich Antonio Vergara. Kurz: Napoli wirkt wie ein Schachbrett, auf dem der Trainer die Figuren neu setzt, bevor das Spiel überhaupt läuft.
Beukema endlich von anfang an – jesus schont die waden
Juan Jesus hat sich nach der intensiven Torino-Pleife mit Muskelproblemen abgemeldet. Für den Niederländer Beukema ist das der erste Liga-Start nach sieben Spieltagen Bank. Er wird rechts im defensiven Trio aufrücken, wo er sich nach eigenen Angaben „sichtlich wohler“ fühlt als in der Mitte. Conte liebt diese Detailjustierung: kleine Verschiebung, große Signalwirkung.
Doch die wahre Baustelle sitzt tiefer. Vergara war zuletzt der flexible Knotenpunkt zwischen den Linien – jetzt fehlt er. Conte testete gestern im Training drei Szenarien: Elmas rückt vor, Anguissa bleibt reine Sechs. Oder Kevin De Bruyne light: Eljif Elmas übernimmt die vertikalen Steilpässe. Dritte Option: Giovane als „Fake-Neun“, was bedeutet, dass Osimhen noch tiefer startet und die halbe Lecce-Abwehr heraus lockt. Der Coach schwört auf diese Positions-Täuschung, seit er 2021 das 3-4-2-1 perfektionierte.

Rechtsaußen: mazzocchi oder politano – oder doch der linksfuß?
Die Favoritenrolle auf der Außenbahn trägt Matteo Politano, doch Conte hat Pasquale Mazzocchi diese Woche zweimal mit der Startelf-Gruppe trainieren lassen. Die echte Überraschung: Cyril Ngonge – intern nur „Guti“ genannt – hat sich selbst ins Gespräch gebracht. „Ich spiele, wo der Trainer mich braucht. Rechts, links, egal. Mein Italienisch wird besser, mein Neapolitanisch kommt nach“, sagte er gestern im Interview mit Radio CRC. Die Botschaft: Ich bin bereit, lassen Sie mich nur ran.
Die Zahlen sprechen für sich: Ngonge erzielt alle 127 Minuten eine Torschuss-Aktion, Politano braucht dafür 213. Conte liebt Effizienz, hasst Risiko. Dennoch: Politano ist sein Mr. Reliable in der Pressing-Formation – 41 Balleroberungen in dieser Saison, kein Flügelspieler der Serie A liegt vorn.

Torhüter-duell: meret gegen milinkovic-savic – ein krimi bis zum schluss
Zwischen den Pfosten tobt ein stiller Machtkampf. Alex Meret hat die bessere Quote (74 % gehaltene Schüsse), Vanja Milinkovic-Savic die besseren Fußspiele (83 % erfolgreiche Pässe in die letzte Drittel-Zone). Conte will den Ballbesitz sichern, aber auch die Lecce-Konter abfangen. Die Entscheidung fällt erst am Samstagmorgen – typisch Conte, der selbst seine Co-Trainer im Unklaren lässt.
Die Stimmung? Gespenstisch. Nach der 0:1-Pleite gegen Torino schwirrt die Angst vor einem erneuten Fehlstart durchs Trainingszentrum in Castel Volturno. Die Aufholjagd auf Atalanta und Juve beginnt jetzt – mit oder ohne Drehkreuz Vergara, mit oder ohne eingespielte Rechtsaußen-Lösung. Conte selbst bleibt kalt: „Wenn wir Lecce nicht schlagen, zählt keine Taktik.“
Fakt ist: Beukema endlich von Anfang an, Guti auf Abruf, Giovane als Joker – und ein Kontrollfreak auf der Bank, der weiß, dass eine einzige Fehlentscheidung die Meister-Träume schon Ende März begraben kann. Der Countdown läuft. Samstag, 15.00 Uhr, Stadio Maradona – dort wird sich zeigen, ob Contes Mini-Revolution lautlos bleibt oder lautstark eskaliert.
